MONTEVIDEO – USHUSIA

1. Teil: Montevideo – Tigre (Großraum Buenos Aires)

Nachdem wir das Hafengelände nach allen Formalitäten um 17:30 Uhr verlassen hatten, fuhren wir mit drei Fahrzeugen, Frank im MOG, Gudrun und Dieter im MAN und wir in unserem MEXI in Richtung Paradiso Suizo. Der Campingplatz dort wird von Seabridge empfohlen, der Eigentümer, ein hilfsbereiter Schweizer namens Heinz, auch bei der Beschaffung von Gas helfen kann. Das war uns wichtig, da wir alle mit leeren bzw. ganz ohne Gasflaschen angereist sind. Der Weg führte uns entlang der 28 km langen Strandpromenade von Montevideo zunächst zu einem Einkaufzentrum mit großem Parkplatz, wo wir unsere großen Fahrzeuge gut parken konnten. Dort machten wir erste Bekanntschaft mit einem südamerikanischen Geldautomaten und erledigten dann im Supermarkt Géant notwendige Einkäufe. Es dauerte eine ganze Weile bis wir alles, was wir benötigten, in dem riesigen Laden gefunden hatten. Dadurch mussten die weiteren knapp 80 km bis zum Paradiso Suizo im Dunkeln fahren. Als wir um 21:45 Uhr dort ankamen, war natürlich niemand mehr anzutreffen. Nach drei Platzrunden in der Ferienanlage fanden wir den Campingplatz und konnten die Fahrzeuge abstellen. Wir aßen noch etwas zu Abend und legten uns dann sofort ins Bett.

Am nächsten Morgen gegen 9:00 Uhr erschien Heinz, wirklich ein freundlicher Typ, und wir konnten beim Campingplatz einchecken.  Er empfahl uns, die Gasflaschen bei Rio Gas in Piriápolis, einem kleinen ca. 15 km weiter östlich liegenden Badeort, füllen zu lassen. Wir machten uns sofort auf den Weg, denn es war Samstag, und wir wollten auf keinen Fall bis Montag ohne Gas dastehen. Unser Garmin führte uns mithilfe der neuen Navitrex-Karte sicher dorthin.  Wir gaben beide Flaschen dort zum Füllen ab, und es hieß, dass wir sie „al medio día“ (also um 12:00 Uhr) abholen könnten. Da wir bei Grudrun, Dieter und Frank angekündigt hatten, am Abend für alle zu grillen, hatte Dagmar bei Rio Gas nach einem Supermarkt gefragt und eine Wegbeschreibung bekommen.  Die Angaben passten allerdings nicht zu der Richtung in der unser Auto parkte, und wir sind erstmal völlig falsch gefahren. Irgendwann waren wir dann wieder bei Rio Gas, sind in die andere Richtung gefahren und so auch bei DEVOTO angekommen. Als wir nach getätigten Einkäufen gegen 12:30 Uhr wieder bei Rio Gas ankamen, war zu unserer Überraschung nur eine Flasche fertig. Glücklicherweise handelte es sich dabei um die 14 kg Flasche, die noch richtig im MEXI eingebaut werden musste. Die andere sollte nach 2 weiteren Stunden voll sein. Nach dem Flascheneinbau fuhren wir dann zur Uferpromenade. Im Reiseführer hatten wir gelesen, dass es dort bei einer unscheinbaren Eisdiele namens Heladeria El Faro sehr gutes Eis gäbe. Wir entschieden uns jeweils für drei Sorten. Die Portionen waren allerdings gigantisch, jeder der Becher enthielt gefühlt mindestens 10 deutschen Kugeln. Machte aber nichts, das Eis war wirklich gut. Danach schlenderten wir noch etwas an der Uferpromenade entlang. Die Gebäude sind hier schon etwas in die Jahre gekommen, aber die Promenade hat ihren Charme dadurch noch nicht verloren. Sie erinnerte uns etwas an den Malecón in Havanna. Gegen 14:30 Uhr waren wir wieder bei Rio Gas. Wir erhielten zuerst eine Rechnung über 24 kg Gas 1990 Urg $ (48 €, was will man machen) und nach 15 min Warten auch die zweite volle Flasche.

Abends haben wir dann zusammen gegessen. Das Fleisch war zwar nicht ganz so zäh wie an Bord der Grande Amburgo, aber bei weitem nicht so wie wir uns das vorgestellt hatten. Wolfgang war sehr enttäuscht, weil er sich beim Grillen wirklich Mühe gegeben hatte. Wenigstens der Salat schmeckte allen. Dieter hatte zuvor schon in einer Waschmaschinentrommel ein „Lagerfeuer“ vorbereitet. Wir haben dann alle noch bis etwa 21:00 Uhr davorgesessen und den schönen Abend gemeinsam genossen.

Über Nacht regnete es, aber am nächsten Morgen klarte der Himmel wieder auf. Wir verbrachten einen entspannten Tag auf dem Campingplatz. Frank ließ seine neue Drohne steigen und zum Strand fliegen.

Dabei sind die nachfolgenden schönen Bilder vom Stellplatz entstanden. Dank an Frank für die Dateien.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns bei Regen von Gudrun, Dieter und Frank, da sich unsere Wege nun trennten.

Am Vormittag fuhren wir nochmal nach Piriápolis zu DEVOTO, um unsere Vorräte noch weiter zu ergänzen. Auf dem Weg dahin ließen wir schweren Herzens das Grauwasser am Wegesrand ab, denn es gibt hier weder Entsorgungsstationen noch Gullys. Wir machten Zwischenstopp an einem Strand, der uns schon am Vortag wegen seiner Rotfärbung aufgefallen war. Er war voller roter „Kieselsteine“. Ein Schild am Eingang wies daraufhin, dass diese Steinstrände einzigartig für Uruguay seien.

Am Nachmittag hörte es auf zu regnen, und wir machten einen ausgedehnten Spaziergang am Strand hinter dem Campingplatz. Dort sahen wir sehr viele mehrfach durchbohrte Gebilde, die zunächst wir Steine aussahen, bei Druck aber zerbröselten. Manchmal steckten kleine Muscheln in den Löchern. Ob sie die Bohrungen erzeugt haben oder sich erst später in bereits vorhandenen Löchern angesiedelt haben, wissen wir nicht. Dann fanden wir noch Gebilde, die aussahen wie Eier ohne Schale. Worum es sich dabei handelte, wissen wir bis heute nicht.

Fürs Abendessen bereitete Wolfgang ein Curry aus Paprika, Süßkartoffeln, Brokkoli und Hühnerbrust, Kokosmilch und einer guten Portion Currypaste zu. Dazu gab es Basmati-Reis. Endlich mal wieder ein Essen, dass uns so richtig gut schmeckte.

Nachdem Wolfgang unsere Deutschlandflaggen und die von Heinz erworbenen, für Argentinien notwendigen Aufkleber, eine rot-weiße Umrisskennzeichnung und einen Geschwindigkeitsaufkleber (110 km/h), am MEXI angebracht hatte, haben gegen Mittag Paraiso Suizo endgültig verlassen, um nun in Richtung Westen nach Nueva Helvecia zu fahren.

Unser Weg führte uns zunächst quer durch Montevideo zur Ruta 5. Nachdem wir die Stadt verlassen hatten, änderte sich die Landschaft. Die Bebauung, die anfangs noch bis an die Autobahn reichte, wich immer weiter zurück, bis dann, soweit das Auge reichte, nur noch Weidelandschaften mit vielen Rindern und Felder zu sehen waren. Alles war fein säuberlich eingezäunt und wirkte sehr gepflegt. In Canelones verließen wir die Ruta 5, fuhren durch den Ort und dann auf die Ruta 11 nach San José. Die Ortsdurchfahrten sind immer besonders spannend, einerseits wegen des hohen Verkehrsaufkommens und andererseits wegen der Straßenverhältnisse mit Schlaglöchern und Schikanen zur Verringerung der Geschwindigkeit, die in Uruguay „Lomadas“ heißen. Hinter San José ging weiter auf der Ruta 11 und dann auf Ruta 1 und 53 nach Nueva Helvecia. Mehrfach fuhren wir dabei durch kilometerlange Palmenalleen. Nach iOverlander sollte es in Nueva Helvecia einen freien Stellplatz in der Nähe des Hotels Nirvana geben. Den fanden wir allerdings nicht. Da uns auch der Campingplatz Granja am Hotel Suizo nicht überzeugte, fuhren wir weiter zum Río de la Plata. Dort fanden wir an der Playa Fomento einen schönen Platz für die Nacht, wo wir zum ersten Mal auf dieser Reise sehen konnten, wie die Sonne im spiegelglatten Wasser unterging.

Auch der Sonnenaufgang, den wir noch vor dem Aufstehen um 6:30 Uhr von unserem Bett aus beobachten konnten, war herrlich. Während des Frühstücks sahen wir sehr viele Vögel, die wie Kraniche formiert über das Wasser flogen. Kraniche waren es allerdings keine, aber die Anzahl war überwältigend. Die Fotokameras waren leider noch gut verstaut.

Dann ging es noch einmal zurück in den Ort Nueva Helvecia. Die Stadt wurde am 25.04.1862 gegründet, nachdem Ende 1861 viele Europäer als Folge einer schweren Wirtschaftskrise nach Uruguay auswanderten. Die ersten 20 Migranten, die sich hier niederließen, waren Belgier aus Antwerpen, ansonsten siedelten sich aber vor allem Schweizer hier an.

Wir fanden im Stadtzentrum in der Nähe der Plaza de los Fondadores einen Parkplatz am Straßenrand und machten von dort einen Rundgang. Dabei kreuzte eine Schulklasse unseren Weg. Wir waren erstaunt, dass die Schulkinder in Uruguay weiße Kittel tragen, und auch relativ große Schüler noch wie i-Dötzchen über die Straße geleitet werden. Die Touristeninformation war um 10:30 Uhr noch geschlossen.  Auch die Kirche und der Friedhof waren verschlossen. Auf der Plaza de los Fondadores erinnert ein Denkmal an die ersten Einwanderer und Stadtgründer.

Da uns die Stadt nicht besonders begeisterte, ging es dann auch bald weiter auf der Ruta 1 über Rosario nach Colonia del Sacramento, der ältesten Stadt Uruguays und Regierungs- und Verwaltungssitz des Departamento Colonia. Diese ursprünglich portugiesische Niederlassung wurde 1680 im Auftrag des portugiesischen Prinzregenten Pedro II. von Manuel Lobo gegründet, doch stritten sich die Kolonialmächte Spanien und Portugal über circa 150 Jahren über diesen strategisch wichtigen Standort, und die Hoheit wechselte zwischen den beiden Mächten hin und her. Das touristisch herausgeputzte Städtchen wurde 1995 zum Weltkulturerbe ernannt.

Wir fanden mit Hilfe von iOverlander einen Parkplatz nahe der alten Festungsanlage und erkundeten von dort die Gassen der Altstadt, die nicht im für Spanien charakteristischen Schachbrettmuster erbaut sind, sondern sich unregelmäßig durch die Stadt ziehen und so an den langjährigen Einfluss der Portugiesen erinnern. Vom Leuchtturm, der 1857 fertiggestellt wurde betrachteten wir das Ganze von oben.  Zum Abschluss gönnten wir uns ein Mittagessen im El Drugstore, einem kleinen Restaurant ganz in der Nähe der Plaza Mayor 25 de Mayo. Wir entschieden uns für ein traditionelles Gericht namens Chivito. Die Portion wurde für 2 Personen angeboten und war wirklich reichlich. Sie bestand aus geviertelten Bratkartoffeln mit Schale, die allerdings relativ geschmacklos waren. Auf grünem Salat, Tomatenspalten und Scheiben vom Bambusherz waren zwei Scheiben „lomo“ (soll Rinderfilet sein), darauf je eine Scheibe gekochter Schinken, gefüllt mit Käse und leicht überbacken, das ganze getoppt von zwei Spiegeleiern. Das Fleisch war nicht ganz so dünn wie auf dem Schiff und auch nicht so zäh, aber leider ähnlich geschmacklos.

Dann ging es weiter auf der Ruta 21 nach Carmelo, der Stadt mit der einzigen von Hand betriebenen Drehbrücke Südamerikas. Heute ist diese rote Gitterkonstruktion aus dem Jahr 1912 das Wahrzeichen der Stadt.

Wir hatten zunächst vor über Nacht in der Stadt zu bleiben und schauten uns einen Stellplatz auf einer Landzunge an, zogen es dann aber doch vor, noch ein wenig weiter zu fahren, um am nächsten Tag recht früh in Fray Bentos, der Grenzstadt zu Argentinien, zu sein. Die Ruta 21 wurde gerade erneuert und war stellenweise grottenschlecht. Wieder fuhren wir durch weite, grüne Landschaften mit großen Herden von Kühen, Rindern und Schafen, alle mit vielen mit Jungtieren. Manchmal gab es auch Weiden, auf denen ausschließlich junge Kälber standen. Gelegentlich sahen wir eng begrenzte schwarze Rauchfahnen aufsteigen. Wir gehen davon aus, dass dort Autoreifen verbrannt wurden. Wir fanden einen Stellplatz im Parque Mauá 6 km vor Mercedes, der im iOverlander beschrieben war. Nach dem ausgiebigen Mittagessen in Colonia del Sacramento gab zum Abendessen nur noch Brote. Danach gingen wir noch einmal zu Fuß durch die weiträumige Anlage am Río Negro, die ursprünglich einem brasilianischen Bankier gehörte. Dieser ließ sich dort in der Zeit von 1857 bis 1862 das Castillo Mauá bauen, in dem heute das Paläontologische Museum Alejandro Berro und eine Kunstsammlung untergebracht sind. Das parkähnliche Gelände wird heute für Picknicks und von Anglern genutzt. Bei unserem Spaziergang konnten wir unzählige Glühwürmchen beobachten. So etwas haben wir zuvor noch nicht gesehen. In der Nacht haben wir sehr gut geschlafen und das, obwohl in der Nähe gefühlt mehr als 100 Hunde gebellt haben.

Am nächsten Morgen konnten wir beim Frühstück gut den Sonnenaufgang beobachten, allerdings verschwand die Sonne kurz nachdem sie am Horizont erschien in einer Nebelwand, so dass sie nur milchig zu erkennen war. Über dem Fluss waberte der Nebel, was sehr gut aussah. Um 8:30 Uhr sind wir dann abgefahren. Wir hatten Bedenken, dass das Tor noch geschlossen sein könnte, aber als wir an dem Museumsgebäude vorbeikamen trauten wir unseren Augen nicht. Der Teil des Parkes rechts neben der Ausfahrt war von bestimmt hundert Kindern mit Eltern bevölkert. Es muss wohl ein Fest oder eine andere Veranstaltung stattgefunden haben. Wir konnten problemlos rausfahren. Da wegen Hochwassers einige Straßen mit Trassierband abgesperrt waren, mussten wir in Mercedes, der Hauptstadt des Departamento Soriano, durch Gassen fahren, bei denen wir Bedenken hatten, nicht unter den tiefhängenden Kabeln durchzukommen. Irgendwann haben wir dann die Ruta 2 nach Fray Bentos erreicht.

Fray Bentos war laut Uruguay-Reiseführer von Reise Know-How  vor rund 150 Jahren aus zwei Gründen eine der berühmtesten Städte des Landes: Sie war die erste Stadt mit Elektrizität, und sie war die Stadt des Brühwürfels, genauer gesagt, die Stadt mit der größten Fleischverarbeitungsfabrik des Landes, El Angelo genannt. Heutzutage ist die Stadt am Río Uruguay vor alles für ihre Zellulosefabrik bekannt, wegen der Uruguay seit Jahren einen Dauerkonflikt mit dem großen Nachbarn im Süden austrägt, da die Argentinier behaupten, die Fabrik verschmutze den Río Uruguay und belaste insgesamt die Umwelt in der Umgebung. Dem Internationalen Gerichtshof von Den Haag zufolge lässt sich das aber nicht nachweisen. Dennoch blockieren immer wieder die Bewohner der argentinischen Nachbarstadt Gualeguaychú (nur 9 km von Fray Bentos entfernt) sowie argentinische Umweltschützer die internationale Brücke Libertador General San Martín, die beide Städte verbindet.

Da man überall liest, dass man nach Argentinien keine Lebensmittel mitnehmen darf, suchten wir uns am Río Negro einen Parkplatz und aßen das letzte Brot, den Käse und die Äpfel. Dann ging es weiter in Richtung argentinischer Grenze. Je näher wir der Grenze kamen, umso mehr LKWs fuhren in dieselbe Richtung wie wir. Dann war auch schon die Große Brücke über den Rio Uruguay zu sehen, die beide Staaten miteinander verbindet. Wir fuhren zwischen den LKWs hindurch bis zu einem Grenzhäuschen, ohne zu wissen, ob es das Grenzhäuschen von Uruguay oder von Argentinien war. Die Grenzerin kontrollierte unsere Reisepässe und gab uns eine Art Laufzettel. 5 Meter weiter stand eine Kontrolleurin, die das Auto inspizieren wollte. Sie sprach nur Spanisch und ihr Begleiter leidlich Englisch. Sie fragte nach frischem Fleisch, Obst, Gemüse und Eiern. Wir verneinten, da wir davon definitiv nichts mehr an Bord hatten. Sie wollte in den Kühlschrank das Tiefkühlfach sehen und war zufrieden. Die angefangene Packung Margarine im Kühlschrank störte sie nicht. Sie inspizierte noch 3 weiter Schränke, und das war es mit der Lebensmittelkontrolle.  Dann sollten wir das Fahrzeug abstellen und mit dem Laufzettel zum Zoll im Gebäude hinter uns gehen. Am ersten Schalten mussten wir die Einfuhrbescheinigung für den MEXI nach Uruguay abgeben, die wir in Montevideo erhalten hatten und wurden zum zweiten Schalter geschickt. Dort fragte man uns, ob wir nach Patagonien fahren wollten, was wir bejahten. Wolfgang musste seinen Pass und den KFZ-Schein abgeben. Der Grenzer füllte an seinem Computer ein Formular aus, was eine ganze Zeit dauerte, und gab Wolfgang dann die Papiere zurück. Er hatte die Fahrzeugeinfuhrbestätigung bis zum 20.06.2020 ausgestellt und informierte uns, dass wir sie beim Zoll in einer der Provinzhauptstädte verlängern lassen könnten, falls wir länger durch Argentinien reisen wollten. Als wir in unseren Pässen blätterten und etwas verdutzt waren, als wir feststellen, dass wir nur einen Einreisestempel für Argentinien erhalten, aber keinen Ausreisestempel für Uruguay, erklärte er uns, dass man in Uruguay nur einen Stempel erhält. Erst jetzt wurde uns bewusst, dass wir uns bereits an der argentinischen Grenzabfertigung befanden. Wir erhielten noch einen Stempel auf unseren Laufzettel und konnten dann direkt weiterfahren. So einfach hatten wir uns das nicht vorgestellt. Auf dem Weg zur Brücke stand ein weiteres Häuschen an dem wir dann unseren Laufzettel abgeben mussten. Dann ging es weiter zwischen schwerbeladenen LKWs hindurch auf die Brücke, die zu Beginn recht hoch ist, um seegehenden Schiffen die Durchfahrt bis Rosario zu ermöglichen.  Der restliche Teil der Brücke ist eine aufgestelzte Fahrbahn durch das Deltagebiet auf der argentinischen Seite des Río Uruguay.

Im argentinischen Grenzort Gualeguaychú steuerten wir erstmal den nach TomTom nächstgelegenen Supermarkt „Carrefour“ an, um unsere Vorräte wieder etwas aufzustocken. Die Einfahrt zum Supermarkt hatte allerdings eine Höhenbeschränkung auf 2,40 m, war also für uns nicht passend. Deshalb bogen wir in die nächste Querstraße ab, um dort am Straßenrand zu parken. Da standen schon zwei Wohnmobile, und zwar die von Frank, Dieter und Gudrun.  Welch eine Überraschung! Die drei hatten ihre Einkäufe verstaut und wollten ihren Weg gerade fortsetzen, aber natürlich gab es vorher noch einen kleinen Plausch.

Im Supermarkt haben wir dann erst einmal das nötigste eingekauft. Das Angebot war nicht mit dem zu vergleichen, was wir in Uruguay gesehen hatten. Die Auswahl war insgesamt geringer und die Qualität von Obst und Gemüse deutlich schlechter.

Wir fuhren weiter auf der RN 14 und RN 12 über Ceibas nach Zárate. Die Landschaft ähnlich wie wir es von Uruguay her kannten, weite Felder und Weiden, allerdings war es nicht so aufgeräumt und sauber wie dort. Es lag auffallend viel Müll am Straßenrand.

In Zárate versuchten Bargeld zu bekommen, aber das gestaltete sich schwierig, da der Automat von Santander unsere Kreditkarten verweigerte. Wir fuhren dann zwei Shopping Malls an, da wir dort Geldautomaten vermuteten, aber weit gefehlt. Bei Western Union bekamen wir zumindest den Hinweis, wo wir die nächste Bank finden konnten. Wir erhielten 3500 Arg. Pesos für 625 Pesos Bearbeitungsgebühr (9,43 € für einen Betrag von 52,58 €!), mehr konnten wir nicht abheben, das verweigert der Automat.

Dann war es auch schon wieder Zeit einen Übernachtungsplatz zu finden. Wir nahmen wieder iOverlander App zu Hilfe und entschieden uns für den 35 km weiter in Richtung Bueno Aires liegenden Platz von Andean Roads, einen Wohnmobilvermieter, der auch ein paar Plätze zur Übernachtung anbietet. Wir kamen um 19 Uhr dort an, aßen noch zu Abend und gingen dann relativ früh zu Bett. In der Nacht regnete es.

Auch am nächsten Morgen war das Wetter war nicht besonders schön. Daher beschlossen wir, noch einen Tag zu bleiben um an unserer Webseite weiterzuarbeiten, denn wir hatten Strom, Wasser und schnelles Internet.

Und dann zeigte der Kalender den 26.10. – Wolfgangs Geburtstag. Dagmar schmückte den Frühstücktisch mit einem LED-Licht und ein paar Blüten von einem nebenstehenden Strauch und ließ Udo Jürgens ein zum Anlass passendes Ständchen bringen. Die Sonne schien und es war hochsommerlich warm.

Am späteren Vormittag fuhren wir zur nahe gelegenen Tortuga Mall. Von Christian, dem Besitzer von Andean Roads, hatten wie erfahren, dass es in dieser großen Mall Geschäfte von Claro und Movistar gibt, bei denen man prepaid Karten für Handys kaufen kann. Zunächst stockten wir aber unsere Vorräte im Supermarkt der Mall weiter auf. Das Angebot an Obst und Gemüse war zu unserer Freude etwas besser als im ersten Laden. Da die Steaks hier etwas dicker waren als in Uruguay, beschlossen wir am Abend zu grillen. Dann lachten uns noch 2 Törtchen an, mit denen wir Wolfgangs Geburtstag am Nachmittag nochmal feiern wollten. An den Weinregalen fanden wir Schilder, die darüber informierten, dass wegen der anstehenden Nationalwahlen am Sonntag in der Zeit von Samstag 20 Uhr und den ganzen Sonntag keine alkoholischen Getränke verkauft werden durften. Das erstaunte uns. Was für einen Einfluss hat das auf die Nationalwahl?

Nachdem wir den Einkauf im MEXI verstaut hatten, gingen wir die Sache mit den prepaid Karten an. Einen Plan der Mall gab es nicht, also fragten wir uns durch und fanden schließlich am anderen Ende die gesuchten Läden. Bei Claro war es ziemlich voll, mit einem Nummernsystem wurden die Kunden zu den verschiedenen Schaltern gebeten. Wir wussten nicht, wie und wo wir an die Nummern kamen und beschlossen unser Glück bei Movistar zu versuchen, wo der Laden leer war. Ziemlich schnell hatten wir zwei SIM-Karten für jeweils 50 Ar$ zugehörigen argentinischen Telefonnummern gekauft. Das Guthaben sollten wir dann an einem Kiosk direkt vor dem Movistar-Laden kaufen. Wir wussten nicht recht, wieviel wir aufladen sollten und versuchten es erstmal mit jeweils 400 Ar$, was für die junge Frau im Kiosk schon sehr viel zu sein schien. Aber noch waren die Handys nicht einsatzbereit. Was nun? Netterweise ging die junge Frau mit uns zusammen in den Movistar-Laden und erklärte dem Angestellten, dass unsere Telefone nun noch mit dem Guthaben verknüpft werden mussten. Hat er dann auch bei beiden Telefonen gemacht. Wir entschieden uns für Pakete von jeweils 4 GB, 100 Freiminuten und 100 SMS, aber das funktionierte nicht, da wir nur ein Guthaben von 400 Ar$ auf den Handys hatten und das von uns gewünschte Paket aber 590 Ar$ kostet. Also wieder zum Kiosk, Guthaben nachkaufen (die Frau schmunzelte) und wieder in den Laden. War alles kein Problem, denn weder am Kiosk noch bei Movistar war voll. Irgendwann war es dann soweit: Wir können mit unseren Handys innerhalb Argentiniens telefonieren oder sie als Hot-Spots benutzen – sofern wir Netz haben,  was in der Pampa selten der Fall ist.

Beim Verlassen des Parkplatzes wurden wir dann von einem wild gestikulierenden Mann angehalten. Wir sollten beim Ausparken ein anderes Fahrzeug beschädigt haben. Wir hatten beide nichts davon bemerkt und konnten uns das auch nicht vorstellen, da es auf dem Parkplatz nicht besonders eng war, und Wolfgang wie immer ziemlich vorsichtig aus der Parklücke gefahren ist.  Wolfgang stieg aus und stellte fest, dass es hinten links an der Gummileiste eine Beschädigung gab, die wir vorher noch nicht gesehen hatten. Er maß die Höhe der Beschädigung aus und wollte das beschädigte Fahrzeug sehen. Zusammen mit dem Mann sowie einem Parkplatzwächter und einem Polizisten, die sich mittlerweile dazugesellt hatten, ging er zu der Stelle, an der wir vorher mit unserem MEXI gestanden hatten Auf dem Platz daneben stand tatsächlich ein beschädigtes Fahrzeug. Allerdings stimmte die Höhe dieser Beschädigungen nicht mit Höhe der Spuren am MEXI überein. Die vier sahen sich noch die Videoaufzeichnungen vom Parkplatz an, aber die waren wenig aussagekräftig. Es gab Videobilder, auf denen unser MEXI beim Ausparken zu sehen war, was dabei hinten links am Fahrzeug passierte, konnte man darauf nicht erkennen. Wolfgang hatte den Eindruck, dass der junge Polizist gemerkt hat, dass an der Angelegenheit etwas faul war, aber keiner änderte irgendetwas an dem Vorwurf gegen Wolfgang. Irgendwann wurden die Personalien ausgetauscht und dann war alles wieder gut. Der Parkplatzwächter, der mit Dagmar die ganze Zeit über am MEXI gewartet und sich mit ihr so gut es ging über Gott und die Welt unterhalten hatte, gratulierte Wolfgang zum Geburtstag und durfte unser Wohnmobil noch von innen besichtigen. Alle verabschiedeten sich freundlich und wünschten uns noch eine gute Reise. Um 16:30 Uhr konnten wir dann endlich den Parkplatz verlassen.

Wir fuhren zurück zu Andean Roads, wo wir Wolfgangs Geburtstagstörtchen aßen und mit Sekt auf Wolfgangs Wohl anstießen. Den Piccolo hatten den Dagmars ehemaligen Arbeitskollegen uns eigentlich als „Proviant“ für die Seereise mitgegeben, wir hatten leider vergessen, ihn mit in die Kabine zu nehmen. Jetzt war aber der richtige Moment für uns gekommen, die Flasche zu öffnen. Nochmals vielen Dank dafür!

Abends wurden die Steaks gegrillt. Sie waren nach Wolfgangs Empfinden nicht abgehangen, aber sie schmeckten nicht schlecht.

Am Sonntagmorgen beschlossen wir noch einen weiteren Tag in Tigre zu bleiben. Unsere Webseite musste ja langsam Gestalt bekommen. Das Wetter war durchwachsen. Zunächst arbeiteten wir drinnen, aber am Nachmittag wurden es freundlicher, und wir konnten unser Büro doch mal nach draußen verlegen. Dann war es auch irgendwann mal geschafft: Der erste Teil unseres Berichts über unsere Frachtschiffreise war veröffentlicht.

Am Abend sollte es Chicorée im Schinkenhemd geben. Da das Wetter noch schön war, wollten wir draußen essen, und Wolfgang bereitete das Gericht nun nicht im Omnia, sondern in einer kleinen Auflaufform in seinem modifizierten Grill zu. Das klappte sehr gut, aber genau in dem Moment als draußen alles angerichtet war, fielen die ersten Tropfen.  Als alles im Auto war, schüttete es wie aus Kübeln. So ging es auch weiter. Die ganze Nacht über trommelte Regen auf unser Dach und es gewitterte heftig. An tiefen Schlaf war dabei nicht zu denken. Aber am nächsten Morgen sollte unsere Reise auf jeden Fall weitergehen.