MONTEVIDEO – USHUAIA

5. Teil: Bosque Petrificado Jaramillo – El Calafate

Nach unserem Besuch des versteinerten Waldes von Jaramillo wollten über die RP 93 Richtung Fitz Roy fahren. Aus dieser Richtung kommend fanden wir den Abzweig. Zu unserer Überraschung war die RP 93 dort allerdings keine Schotterpiste, sondern eine Naturstraße, die ohne irgendwelchen Belag einfach durch das Gelände führte. Durch die Fahrspuren anderer Fahrzeuge war es kein Problem, dem Weg zu folgen. Auch unser Navi kannte den Weg und zeigte munter weiter „Fährt auf Straße“ an. Nach ca. 2 km kreuzte ein Fluss diesen Weg. Obwohl dieser Fluss ausgetrocknet war, hielten wir es für besser, nicht weiter zu fahren, Böschungswinkel war einfach zu steil. So fuhren zurück zur RG 49 und hofften über die deutlich längere Strecke doch schneller vorwärtszukommen, denn auf der RP 93 waren wir mit höchsten 30 km/h unterwegs. Auf dem Weg zur RN 3 sahen wir mehrfach Nandus und Maras und auch immer wieder Guanakos.

Auf der RN 3  fuhren wir dann erst einmal ca. 100 km gen Norden durch die Pampa de La Agua Grande, bis zum Abzweig der RP 281 nach Puerto Deseado. Die Straße war asphaltiert, aber schnurgerade und die Landschaft rechts und links recht langweilig. Mittlerweile haben in Argentinien auch Windräder Einzug gehalten, wir sahen immer wieder mehr oder weniger große Windparks, eigentlich ein ideales Gebiet dafür, denn die Problematik mit dem Abstand zur Wohnbebauung gibt es dort nicht, dafür aber fast immer reichlich Wind.

Puerto Deseado ist ein Fischerort mit ca. 15.000 Einwohnern. Hier mündet der Río Deseado in den Atlantik. Interessanterweise fließt hier kaum Flusswasser ins Meer, sondern versickert auf dem Weg vom Ursprung des Río Deseado am Lago Buenos Aires zum Atlantik nach und nach im Boden. Stattdessen drückt die Meeresströmung das Seewasser ca. 40 km landeinwärts, wodurch in der fjordähnlichen Flussmündung ein ideales Brutgebiet für Seevögel entstanden ist, das Schutzgebiet Reserva Natural Ría Deseado.

25 km südlich vor der Küste von Puerto Deseado liegt die Isla Pingüino, ein weiteres Schutzgebiet, wo bis zu 30.000 Magellanpinguine und rund 2000 Felsenpinguine (Eudyptes chrysocome) leben.

Wir hatten vor, hier  auf jeden Fall eine Bootstour zur Isla Pingüino und eventuell auch noch eine weitere ins Vogelschutzgebiet. Zunächst checkten wir aber erstmal für 2 Nächte auf dem Camping Municipale „La Costanera“ ein, denn neben unseren Ausflugsplänen mussten unsere Wäsche und auch der MEXI dringend mal wieder gewaschen werden. Auf dem Campingplatz gab es Strom und Wasser, allerdings keines mit Trinkwasserqualität. Das freie WiFi dort war so schlecht, dass uns mal wieder nicht anderes übrig blieb, als unsere Handys als Hotspot zu nutzen.

In der Nähe des Campingplatzes gibt es eine Kirche, deren Kirchturm gleichzeitig als Leuchtturm verwendet wird, sowie einen Bahnhof aus dem Jahr 1909, der sehr schön restauriert wurde. Ansonsten hat Puerto Deseado nicht viel Sehenswertes zu bieten.

Am nächsten Tag kümmerte sich Dagmar mal wieder um die Webseite, während Wolfgang die Wäsche in eine Wäscherei im Ort brachte und versuchte, in einer Ferreteria längere Schrauben für die Solar-Paneels zu bekommen – Fehlanzeige. Da das Wetter gut war, machte er sich auch gleich auf den Weg, um eine Bootstour zur Pinguininsel zu buchen. Der erste Anbieter hatte geschlossen, es waren dort auch keine Öffnungszeiten angegeben. Der Nächste sollte von 10 bis 20 Uhr geöffnet haben, dennoch traf er um 14 Uhr dort niemanden an.

Bei Darwin Expediciones konnte er dann eine Tour für übernächsten Tag buchen. Die Windprognose für den nächsten Tag war ungünstig, deshalb wurden an dem Tag keine Touren angeboten, auch nicht auf dem Río Deseado. Die Bootstour am Sonntag zur Isla Pingüino sollte um 8:00 Uhr von der Anlegestelle bei Darwin Expeditiones starten und die Überfahrt etwa eine Dreiviertelstunde dauern. Wolfgang war froh als er hörte, dass wir direkt bei dem Touranbieter im Wohnmobil übernachten konnten. Es sollte auch Trinkwasser und freies WiFi dort geben.

Am Samstag verließen wir den Campingplatz um die Mittagszeit, um unsere Wäsche abzuholen, den MEXI waschen zu lassen und noch etwas einzukaufen. Wir wollten uns mal ein richtig schönes Stück von dem so hoch gelobten Argentinischen Fleisch gönnen. Das, was wir bis dahin gefunden hatten, war alles sehr dünn geschnitten und nach dem Braten nicht so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Bei Anónima fanden ein Stück Rindfleisch, das uns gefiel. Diesmal wollten wir es mit Kochen versuchen und ähnlich wie bei Vitello Tonnato zunächst einige Zeit in Brühe einlegen. Die Brühe kochten wir direkt auf dem Supermarktparkplatz. Als wir die Fleischpackung öffneten, trauten wir unseren Augen nicht: Das 800 g schwere Fleischstück war in 8 dünne Schnitzel zerteilt. Die Enttäuschung war groß, wir legten sie trotzdem erst einmal in Brühe ein.

Danach fuhren wir zu einer Stichstraße entlang des Río Deseado. Bei Darwin Expedicions hatte man Wolfgang gesagt, dass es dort gute Beobachtungspunkte für Seevögel und Wale gäbe.

Dieser Weg war natürlich auch wieder Piste, und das, wo wir den MEXI ja gerade erst hatten waschen lassen – waschen ist vielleicht bei dem Resultat nicht der richtige Ausdruck – vom gröbsten Schmutz und von losem Flugstaub befreien lassen, beschreibt es wahrscheinlich besser.

Wir fuhren die meisten Aussichtpunkte dort an und sahen eine Gruppe von Pferden, viele Möwen und einige Kormorane, die auf den Felsen nisteten. Auch Magellanpinguine watschelten vereinzelt dazwischen. Ansonsten waren keine anderen Tiere unterwegs. Vielleicht lag es daran, dass der Wind doch sehr heftig blies. So richtig lohnenswert fanden wir diesen Ausflug nicht.

Wir fuhren dann zu Darwin Expediciones. Da deren Parkplatz schon mit 4 Wohnmobilen besetzt war, machten wir es uns auf dem Parkstreifen an der Straße gemütlich.

Dort wurden wir von einem deutschen Segler mit einer Hallberg-Rassy angesprochen. Er und ein Franzose auf einem anderen Segelschiff wollten auch nach Ushuaia, aber waren zu der Zeit durch den heftigen Wind im Hafen von Puerto Deseado eingeweht.

Von unserer Tourleiterin Roxana erfuhren wir dann, dass unsere Bootstour am nächsten Tag nicht um 8 Uhr, sondern wegen des dann noch zu starken Windes erst um 9 Uhr starten sollte.

Der Übernachtungsplatz neben der Straße erwies sich dann später als nicht gerade empfehlenswert: Die jungen Argentinier nutzen die RN 281 zum Austesten der Beschleunigungsleistung ihrer Fahrzeuge. Es ging bis spät in der Nacht zu wie auf einer Rennstrecke.

Am Morgen wehte der Wind immer noch sehr heftig. Vorsichtshalber hatten wir unsere Fotoausrüstung schon am Vorabend in eine wasserdichte Tasche gepackt.  Als wir kurz vor 9 Uhr im Warteraum von Darwin Expediciones ankamen, sagte man uns, dass Abfahrtszeit wegen des Windes noch mal um eine halbe Stunde verschoben wurde. Um 9:30 Uhr bekamen wir dann Schwimmwesten und konnten in das Boot einsteigen. Es war ein Hartschalenschlauchbot für bestimmt 25 Personen. Wir waren 14 zahlende Gäste an Bord. Im Hafen ging es ganz ruhig zu. Wir kamen an großen Fischereischiffen vorbei.

Nachdem wir den Hafen verlassen hatten, gab der Bootsführer richtig Gas und das Wasser wurde rauer. Und dann kam auch das erste Wasser über. Gut, dass wir die Fotoausrüstung wasserdicht verpackt hatte. Die Überfahrt dauerte 40 min und war alles andere als angenehm. Es schlug heftig ins Kreuz, wenn das Boot hart in einer Welle aufsetzte. Die meisten hatten Spaß, obwohl sie nach kurzer Zeit pudelnass waren.

Wir sahen während der Fahrt drei Commerson-Delfine (Cephalorhynchus commersonii). Sie begleiteten uns kurze Zeit. Dagmar konnte sie leider nur von oben unter Wasser fotografieren, nicht ganz das, was wir uns vorgestellt hatten. Die Tiere waren einfach zu schnell und viel zu nahe am Boot.

Das Ausschiffen hatte schon etwas Spezielles: Das Boot wurde an der Pinguininsel vor einen Felsengefahren und mit Hilfe des Motors so gehalten. Alle mussten schnell aussteigen, auf nasse, zum Teil glitschige Felsen. Wolfgang nahm die Fototasche auf den Rücken, so dass Dagmar beide Hände frei hatte. Wir kamen alle gut an Land an und marschierten zu einer kleinen Hütte an der Seelöwenbucht. Dort gab es noch einmal genaue Instruktionen, wie wir uns auf der Insel den Tieren gegenüber zu verhalten hatten.

Dann ging es im Gänsemarsch los in Richtung Leuchtturm, der 2013 auf Solartechnik umgerüstet wurde, aber bis heute nicht funktioniert. Auf dem Weg dorthin sahen wir die ersten Magellan-Pinguine. Sie liefen wenig scheu über Wiesen und den Weg zum Leuchtturm.

Nach kurzer Zeit kamen wir an einem Nistplatz vorbei, wo unzählige Tiere auf dem Boden saßen und ihre Eier ausbrüteten. Teilweise konnten wir die Eier sogar sehen. Viele Tiere hatten auch schon Küken zum Wärmen unter sich. Einfach toll, so etwas hatten wir vorher noch nicht gesehen. Es machte viel Spaß, die kleinen grauen Pinguine zu fotografieren. Leider mussten wir viel zu schnell weitergehen, die Gruppe sollte zusammenbleiben.

Als wir am verlassenen Leuchtturm und am teilweise zerfallenen Leuchtturmwärterhaus ankamen, sahen wir, dass sich die Pinguine auch diese Ruine einverleibt hatten.

Wir gingen weiter zur anderen Seite der Insel, wo die Felsenpinguine nisteten. Auch diesen Tieren konnten wir sehr nahekommen. Im Gegensatz zu den Magellanpinguinen, die einen Weg um uns machten, warteten die Felsenpinguine darauf, dass wir ihren Weg frei machten.

Das Fotografieren hier gestaltete sich schwierig, da die Felsenpinguine hier so dicht nebeneinander auf dem Felsen saßen, dass es fast unmöglich war mit unseren Objektiven einzelne Pinguine oder Pinguingruppen freizustellen, ohne noch abgeschnittene Körper mit auf dem Foto zu haben.  

Roxana machte uns auf eine Besonderheit aufmerksam: Normalerweise sind die Kolonien der Felsenpinguine und Magellanpinguine streng getrennt, die Tiere dulden keine anderen in ihrem Revier. Hier bei den Felsenpinguinen hatte sich allerdings ein Pärchen aus einem Felsenpinguinweibchen und einem Magellanpinguinmännchen zusammengefunden, die sich liebevoll gegenseitig das Federkleid reinigten. 

Bei einigen Felsenpinguinen war Badetag angesagt, ein interessantes Schauspiel. Sie watschelten hinunter zum Wasser, sprangen hinein, drehten und wendeten sich und kletterten dann wieder auf hinaus und schüttelten ihr Gefieder aus. Manche wiederholten diese Prozedur noch zwei- oder dreimal bevor sie mit dem Ergebnis zufrieden waren und wieder zurück zu ihrem Nistplatz marschierten.

Auf den Felsen hielten sich auch einige Südamerikanische Austernfischer (Haematopus ater) auf . Die hatten wir bis dahin noch nicht gesehen.

Dann gingen wir wieder zurück zum Strand auf der anderen Seite der Insel, wo einige Seelöwen und Seeelefanten lagen. Auf dem Weg wurden wir von Skuas (Raubmöwen) attackiert. Wir schützten uns, indem wir die Stative nach oben in die Luft hielten. Trotzdem kamen diese Tiere einigen unvorsichtigen Teilnehmern der Gruppe ziemlich nahe.

Die Seelöwen und Seeelefanten beeindruckten uns hier nicht mehr so, von denen hatten wir ja in der letzten Zeit schon reichlich gesehen.

Die Tiere verhielten sich so wie von Roxana vorhergesagt: Bewegung von Menschen führte zur Mobilisierung der Tiere, sie verließen nach und nach den Strand und verschwanden im Meer.

Bevor wir die Insel verließen, wurde uns noch etwas zur Stärkung gereicht. Es gab leckere Sandwiches, Äpfel, Säfte und Wasser und das in direkter Nachbarschaft vorbeiwatschelnder Pinguine.

Dann musste recht schnell zusammengepackt werden, denn Wind und Seegang waren noch stärker geworden. Es wurden noch Plastiksäcke zum Schutz der Fotoapparate verteilt. Das Boot wartete wie beim Anlanden an einer geschützten Stelle auf uns.

Nachdem alle im Boot waren, ging es zurück. Die Fahrt war noch unangenehmer als die Hinfahrt. Wir saßen auf der Backbordseite und hatten zunächst noch Glück, dass die Wellen zuerst von Steuerbord kamen. So blieben erst einmal von den überkommenden Wellen verschont. Aber auf den letzten Meilen zum Hafen erwischte es dann auch uns. Wir wurden durch übergehende Wellen bis auf die Unterwäsche nass, kein angenehmes Gefühl

Auch auf der Rückfahrt sahen wir wieder Commerson-Delfine. Zwei von ihnen sprangen bilderbuchmäßig aus dem Wasser. Das sah toll aus, aber fotografieren konnten wir sie nicht, denn die Apparate waren wasserdicht verpackt, und das war auch gut so.

Als wir im Hafen ankamen, schien die Sonne und durch die geschützte Lage war das Meer recht ruhig.

Wir fuhren nochmal für zwei Tage zum Campingplatz Municipale „La Costanera“, denn durch die Salzwasserattacke war Waschtag angesagt, und wir wollten noch etwas an unserer Webseite arbeiten.

Dienstags ging es dann weiter über die RN 281 (Asphalt) und die RP 47 (Piste) Richtung Puerto San Julián. Die ersten 100 km der Piste waren o.k., aber dann wurde es zeitweise mal wieder grausam. Das Wetter war nicht so schön wie an den beiden Tagen davor, aber die immer wieder wechselnden Wolkenformationen über der weiter Landschaft. Wir legten einige Fotostopps ein. Wir sahen immer wieder Guanakos, Maras und Hasen. Bei dem Raubvogel, den wir eine ganze Weile beobachteten, spricht vieles dafür, dass es sich um einen Wanderfalken (Falco peregrinos) handelte, wobei wir allerdings auf keinem der Fotos, die wir von dem Vogel gemacht haben, die charakteristischen gelben Augenringe sehen können. Bei den beiden am Boden sitzenden Vögeln sind wir uns sicher, dass es sich um einen männlichen und einen weiblichen Höhlenläufer handelte, aber ob es Zwerghöhlenläufer (Thinocorus rumicivorus) oder Graukehl-Höhlenläufer (Thinocorus orbignyianus) waren, vermögen wir nicht zu sagen.

Irgendwann suchten wir uns ein Platz zum Schlafen. Vor uns graste eine Herde von knapp 60 Guanakos. Während wir uns langsam dort installierten, bewegten sich die Tiere ebenso langsam nach und nach weg.

Als wir am nächsten Morgen wach wurden, grasten ein paar Guanakos seelenruhig neben unserem Wohnmobil. Wir machten uns relativ früh ohne Frühstück auf den Weg. Laut iOverlander sollte es and er vor uns liegenden Strecken eine Stelle geben, an der relativ zutrauliche Gürteltiere leben. Dort wollten wir frühstücken und hofften auf einige schöne Fotos. Als wir losfuhren, kreuzte wieder eine größere Gruppe Guanakos die Piste. Wir ließen sie erstmal in Ruhe vorbeiziehen und schauten ihnen dann noch eine Weile nach, bevor wir weiterfuhren.  

An einer „Straßenkreuzung“ bot sich uns dann erst einmal wieder ein grausiger Anblick: Dort hingen Tierkadaver an den Schildern und lagen davor auf dem Boden.

An der im iOverlander angegebene Stelle frühstückten wir wie geplant und hielten eine ganze Weile Ausschau, aber Gürteltiere sahen wir weder dort noch sonst irgendwo auf der Strecke, dafür nur sehr viele Hasen, die mit unglaublicher Geschwindigkeit wegrannten, wenn sie uns herannahen sahen oder hörten.

Später erfuhren wir, dass wir durch unsere Entscheidung über diese Piste und nicht zurück über die asphaltierte Straße zur RN 3 zu fahren, die Möglichkeit den schweizer Overlander Sepp zu treffen, dessen Reiseblog wir so viele Monate verfolgt hatten, verpasst hatten. Er war auf dem Weg von Ushuaia Richtung Montevideo und fuhr zu diesem Zeitpunkt über die RN 3 und die RN 281 von Puerto San Julián nach Puerto Deseado. Keine Gürteltiere gesehen und dann noch Sepp verpasst, das war schon bitter.

Auf der RN 3 waren es dann noch ca. 65 km bis Puerto San Julián. Puerto San Julián ist eine kleine Hafenstadt mit ca. 10.000 Einwohnern. Dort tankten wir erstmal bei YPF und suchten uns dann einen Stellplatz. An der Uferpromenade hielten wir kurz an dem Nachbau der „Viktoria“, einem der Schiffe des portugiesischen Seefahrers Ferdinand Magellan. Auf dem Parkplatz vor dem Camping Municipale fanden wir einen Stellplatz für die Nacht mit schönem Ausblick auf den Atlantik.

Wir machten noch einen Rundgang durch die Stadt. Überall blühte der Ginster leuchtend gelb. Wir kamen an der Uferpromenade an einem Denkmal zur Erinnerung an den Falklandkrieg. Argentinien beansprucht die Falklandinseln, die hier „Las Malvinas“ heißen, trotz des verlorenen Krieges heute noch für sich.   

Wir liefen ein ganzes Stück auf der Hauptstraße des Ortes entlang und dann durch kleinere Straßen zurück zu unserem Stellplatz.

Der Müll wird in Argentinien nicht in Mülltonnen wie bei uns gesammelt, sondern in Plastiktüten, die dann in hochgestelzte Körbe vor den Häusern gelegt werden, wo sie von der Müllabfuhr abgeholt werden.

Bevor es am nächsten Tag weiterging, befestigte Wolfgang eine recht frei hängende Leitung zum linken Hinterrad mit Kabelbindern und stellte die Handbremse nach. Kurz vor Mittag fuhren wir dann über die RN 3 Richtung Parque Nacional Monte León.

Während der Fahrt sahen wieder viele Guanakos und konnten hier auch mal fotografieren, wie sie in der Regel leichtfüßig über die allgegenwärtigen Zäune springen. Das geht allerdings nicht immer gut, ab und zu sieht man auch schon einmal verendete Guanakos im Zaun hängen.

Wir kamen auch an der Gran Bajo de San Julián vorbei, einer Niederung, deren tiefster Punkt 107 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Man kann sich das Gebiet nur von der RN 3 ansehen, da die Niederung Privatgelände ist. So spektakulär wie es sich anhört, sah es dort für uns allerdings nicht aus, und es lag auch mal wieder, wie an so vielen Aussichtspunkten, extrem viel Müll herum.

Dann lief plötzlich ein Nandu mit acht Jungen vor uns über die Straße. Wolfgang bremste und schaltete die Warnblickanlage ein. Wir wollten die Nandufamilie erstmal in Ruhe die andere Straßenseite erreichen lassen. Aber dann schoss plötzlich ein roter PKW mit hoher Geschwindigkeit links an uns vorbei und kam nur mit Mühe und quietschenden Reife ganz kurz vor den Laufvögeln zu stehen. Das Elterntier blieb erst aufgeplustert und aufgeregt vor dem roten Auto stehen, trieb lautstark die Jungen zu Eile an und verließ dann erst nach den Kleinen die Fahrbahn. Das Foto von der Nandufamilie ist nicht ganz scharf geworden, dessen sind wir uns bewusst, aber dieses Ereignis hat uns so bewegt, dass es einfach seinen Platz hier in diesem Reisebericht bekommen muss.

Als wir den Nationalpark erreichten, erfuhren wir, dass der Park wegen starker Regenfälle an den Tagen davor bis auf weiteres geschlossen war. Wir hatten gehofft, dort brütende Magellanpinguine und solche mit bereits geschlüpften Jungen in Ruhe beobachten und fotografieren zu können. Auf der Pinguininsel war dies individuell ja nicht möglich, da wir immer als Gruppe zusammenbleiben mussten.

Wir fuhren dann zurück über die RN 3 bis zum Abzweig der RN 288 Richtung Puerto Santa Cruz. In Santa Cruz fanden wir einen geeigneten Stellplatz am Ende der Strandpromenade auf einem relativ ebenen Gelände etwas unterhalb der Straße mit Blick aufs Wasser.

Puerto Santa Cruz ist eine Kleinstadt mit ca. 4.000 Einwohnern. Die Stadt wurde 1908 gegründet und ist damit die älteste Stadt der heutigen Provinz Santa Cruz. Sie dient als Versorgungszentrum der umliegenden Estancias, in denen vor allem Schafzucht betrieben wird. Die Stadt liegt nicht direkt am Meer, sondern 15 km landeinwärts an der breiten Flussmündung des Río Santa Cruz.

Am Abend machten wir noch einen Spaziergang durch den Ort. An der Uferpromenade gab es eine Art Freilichtmuseum mit Wracks von ausgedienten Schiffen.

Etwas weiter hatte sich der Club Nautico einen alten Kahn als Clubraum hergerichtet.

Wir waren erfreut, als wir an der Touristeninformation 3 Körbe sahen, in denen Glasflaschen, Dosen und Plastikbehälter getrennt entsorgt werden konnten. Als wir dies allerdings am nächsten Tag tun wollten, waren die Kisten verschwunden.

Da die Abdeckung durch Mobilfunk in Argentinien häufig nicht gewährleistet ist, benutzen viele dort Sprechfunk. Die dafür verwendeten Antennen haben zum großen Teil beeindruckende Abmessungen.

Während die Hauptstraße durch Puerto Santa Cruz noch relativ normal aussahen, stießen wie in den Nebenstraßen auf interessante Gebäude und Gerätschaften. Am Ende unseres Spaziergangs fielen uns dann noch Rosenbüsche auf, die im ehemaligen Vorgarten eines fast völlig zerfallenen Hauses noch herrlich gelb blühten.

Am nächsten Morgen fuhren wir zunächst zurück über die RN 288 bis Comandante Luis Piedra Buena, wo wir einkauften und noch einmal tankten. Die Hauptstraße von Comandante Luis Piedra Buena war zu Ehren von Papst Franziskus gestaltet.

Dann ging es weiter in Richtung Tres Lagos. Die ersten 84 km der RN 288 waren noch asphaltiert, danach folgten 147 km Piste. Ca. 120 km davon waren o.k., die letzten Kilometer waren wieder grausam. Zumindest war es trocken. Bei Regen können wir diese Piste nicht empfehlen.

Am Rand der Straßen in Argentinien sieht man an sehr vielen Stellen rote Schreine für „Gauchito Gil“, einem Volksheiligen, der eine Art Patron für Auto-, Bus- und LKW-Fahrer ist.

Unterwegs sahen wir mehrfach Nandus, Guanakos und auch einmal eine Gruppe freilaufender Pferde. Zunächst wollten wir neben einem verlassenen Hotel nächtigen, aber irgendwie war es uns dort dann doch nicht geheuer. So fuhren wir weiter nach Tres Lagos. 2 km vor dem Ort war die Straße dann wieder asphaltiert. Wir fanden einen Stellplatz am Rande des Ortes. Er war auch nicht besonders schön und wir hatten keinen Handyempfang, aber der Platz war windgeschützt und Lärm von unseren Nachbarn brauchten wir dort nicht zu fürchten.

Bevor wir unsere Reise am nächsten Tag fortsetzten, versuchten wir noch, am einzigen Geldautomaten in Tres Lagos Geld abzuheben, denn wir hatten im Reiseführer gelesen, dass man in El Chaltén, unserem nächsten Ziel, wohl nur bar zahlen konnte. Leider klappte es nicht, schon ein Betrag von 4.500 Ar$ (ca. 68,13 €) war zu hoch. 1.000 Ar$ (15,14 €) hätten wir wahrscheinlich bekommen, aber dafür 375 Ar$ (5,68 €) Gebühren zu bezahlen, war uns einfach zu viel. Also fuhren wir mit den uns verbliebenen 15.000 Ar$ (227,10 €) nach El Chaltén und hofften, damit über die Runden zu kommen.

Als Wolfgang auf einem abschüssigen Stück Asphaltstraße das Grauwasser ablassen wollte, entdeckte Dagmar ein im Zaun hängendes Guanako, das versuchte loszukommen. Wolfgang schnappte sich seine PUK-Säge, ging zum Zaun und sägte den obersten Draht, es war Stacheldraht, durch. Das Tier, das bei seiner Annäherung ganz unruhig geworden war, kam los und versuchte zu fliehen. Es konnte aber auf den Hinterläufen zunächst nicht mehr stehen und brach immer wieder zusammen. Ein grausamer Anblick. Nach einiger Zeit gelang es ihm dann doch, auf allen Vieren langsam zu laufen. Das Guanako entfernte sich ein Stück, blieb dann aber stehen und drehte sich zu Wolfgang um, als ob es sich für seine Hilfe bedanken wollte.

Wir fuhren dann weiter auf der RN 40 Richtung El Chaltén und sahen dabei erstmals die schneebedeckten Gipfel der Darwin Kordilliere mit dem markanten Fitz-Roy-Massiv, aber wir waren noch mehr als 200 km davon entfernt. Irgendwann tat sich der Blick auf den Lago Viedma auf, der mit milchig blauem Gletscherwasser einen besonders schönen Anblick bot. Immer wieder hielten wir an, um zu fotografieren.

Auf dieser Strecke hingen auffallend viele verendete und ausgeweidete Guanakos in den allgegenwärtigen Zäunen. Das stimmte uns etwas traurig.

Im Park kamen wir dann an einem Aussichtspunkt, von dem man einen sehr schönen Blick auf das Fitz Roy Massiv hat. Wir mussten uns die Aussicht allerdings zunächst mit den Reisenden aus zwei vollbesetzten Reisebussen teilen. So einen Andrang hatten wir vorher auf dieser Reise glücklicherweise noch nicht erlebt.

Wir fuhren dann weiter zum Besucherzentrum, um uns über die Gegebenheiten im Park zu informieren. Der Eintritt in den Park ist kostenlos. Gegenüber vom Besucherzentrum ist ein Parkplatz, auf dem Wohnmobilisten übernachten können. Wir stellten den MEXI dort ab und da es noch recht früh war, zogen wir uns warm an, und machten uns trotz des strammen und kühlen Windes der dort blies, auf zu einer ersten Wanderung. Der nahegelengste Aussichtspunkt ist der Mirador Los Cóndores, oben auf dem Berg direkt hinter dem Besucherzentrum.

Als wir an dem Besucherzentrum angekommen waren, hatte wir Kondore hoch über dem Gipfel kreisen sehen, aber als wir ihn erklommen hatten, taten sie uns nicht mehr den Gefallen, noch einmal zu kommen.

Dann gingen wir weiter zum Mirador Las Águilas. Am Wegesrand blühte es überall, was uns sehr gut gefiel nach der Fahrt durch die Pampa.

Uns fiel ein kleiner grauer Vogel auf, mit leuchtend roten Augen. Es war ein Feueraugen-Tyrann (Xolmis pyrope), ein Sperlingsvogel Südamerikas, der zur Familie der Tyrannenfliegenfänger gehört.

Am Mirador Las Águilas hat man einen guten Ausblick auf den Lago Viedma und die davorliegende Pampa. Auf dem See schwammen kleine Eisberge, die vom Gletscher Viedma abgebrochen waren. Gelegentlich waren hier Kondore zu sehen, aber leider waren sie für ein brauchbares Foto immer zu weit weg.

Von dort ging es erst einmal wieder zurück zum MEXI. Auf dem Rückweg beobachteten wir eine ganze Weile einen weiteren, uns bis dahin unbekannten Vogel. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um einen Gelbnacken-Goldtyrann (Muscisaxicola flavinucha).

Gegen 17:30 Uhr machten wir uns nochmal auf den Weg, denn beim Besucherzentrum hatten wir erfahren, dass dort am frühen Abend häufig Gürteltiere durch die Wiesen und das Gebüsch streiften. Gürteltiere sahen wir nicht, dafür Smaragdsittiche (Enicognatus ferrigineus), zum ersten Mal einen Langschwanzstärling (Sturnella loyca) und einen Andenkondor (Vultur gryphus), der endlich einmal etwas näher über uns kreiste, als die, die wir bis dahin gesehen hatten.

Dann war es Zeit für das Abendessen, aber um 20:30 Uhr brachen wir noch zu einem dritten Spaziergang auf, denn wir hofften auf einen schönen Sonnenuntergang und auf Fotos vom Fitz-Roy-Massiv bei schöner Beleuchtung. Auf dem Weg zum Mirador Los Cóndores lief Dagmar plötzlich ein Gürteltier entgegen, bog dann aber ins Gebüsch ab und lief unterhalb von uns parallel zu Weg weiter. Ein Stück hinter Wolfgang kam zurück auf den Weg, lief auf uns zu und mit beeindruckender Geschwindigkeit erst an Wolfgang und dann an Dagmar im Abstand von maximal 20 cm vorbei. Fotografisch waren wir auf dieses unverhoffte Zusammentreffen nicht wirklich vorbereitet. Die Fotos die wir machten sind größtenteils unscharf oder ziemlich verrauscht, aber eine eher abstrakte Aufnahme von Wolfgang soll trotzdem zur Erinnerung ihren Patz hier bekommen.

Der Sonnenuntergang war leider nicht so, beeindruckend wie wir uns das vorgestellt hatten, egal, es war trotzdem ein sehr schöner Tag.

Als wir zu unserem Stellplatz zurückkamen, stellten wir fest, dass sich noch mehrere andere Wohnmobile dazugestellt hatten. Trotzdem hatten wir eine ruhige Nacht und schliefen dort sehr gut.

Am nächsten Morgen klingelte unser Wecker um 4:30 Uhr, denn die Sonne sollte um 5:30 Uhr aufgehen, und wir wollten das Fitz-Roy-Massiv im Licht der aufgehenden Sonne fotografieren. Ein Blick aus dem Fenster verhieß leider nichts Gutes, der Himmel war mehr oder weniger verhangen. Nichtsdestotrotz wollten wir es versuchen und machten uns um 5 Uhr auf den Weg in Richtung Mirador Los Cóndores, doch die Sonne ließ sich nicht blicken. Unverrichteter Dinge gingen wir wieder zurück frühstückten erst einmal. Es war der erste Advent, daher erhielt das erste von vier batteriebetriebenen Teelichten, die wir für besondere Ereignisse mitgenommen hatten, von nun an bei unseren Mahlzeiten seinen Platz auf dem Tisch.

Am späten Vormittag machten wir dann einen Spaziergang ins Zentrum von El Chaltén. Es war sehr touristisch dort, fast alle Geschäfte hatten auch sonntags geöffnet. Wir kauften 2 Vogelbestimmungsbücher und einige Aufkleber für das Wohnmobil. Wir konnten hier überall mit unseren Kreditkarten bezahlen. Der Hinweis aus dem Reiseführer, dass hier nur Barzahlung möglich wäre, stimmte nicht mehr, obwohl wir die 2019 neu bearbeitete und aktualisierte Auflage gekauft hatten.

Das wir auf unseren Stellplatz am Besucherzentrum keinen Internetempfang hatten, nutzten wir das freie WiFi an der Touristeninformation, um WhatsApp zu checken und mal wieder mit den Lieben zuhause zu telefonieren. 

Am Nachmittag machten wir dann noch eine Wanderung auf einem weiteren beim Besucherzentrum beginnenden Trail, aber so richtig begeisterte uns dieses Gebiet nicht.

Da auch an diesem Abend und am nächsten Morgen der Monte Fitz Roy wieder wolkenverhangen war, beschlossen wir, beim Besucherzentrum noch unseren Trinkwassertank aufzufüllen und erst einmal zum Lago Desierto weiterzufahren.

Wie in vielen anderen Orten in Argentinien gibt es auch in El Chaltén ein Schild, das auf die Entfernung zu den Falkland Inseln, die hier Las Islas Malvinas heißen, hinweist. Allerdings ist in diesem Fall wohl eine Ziffer verblichen oder übermalt worden, denn 99 km von dort kann absolut nicht stimmen.

Hinter dem Ort hörte der Asphalt auf, und die Fahrt wurde anstrengend, denn es ging über eine entsprechend holprige Piste (RP 23). Die Landschaft hier entschädigte aber für vieles.

Am Lago Desierto spazierten wir erst einmal eine Zeit lang durch den Urwald am Ufer. Überall blühten kleine weiße Orchideen (Codonorchis lessonii), einen deutschen Namen haben wir für diese Orchideenart bisher nicht gefunden.

Dann machten wir eine schöne Bootsfahrt auf dem See. Man sah das Fitz-Roy-Massiv von der Nordseite und zwei Gletscher. Auf der Hinfahrt waren wir die einzigen Gäste. Ungefähr in der Mitte des Sees legte das Schiff an und holte einige Touristen ab, die von dort eine Wanderung zu einem der Gletscher gemacht hatten. Von dort wurde noch ein Hotel am gegenüberliegenden Ufer angesteuert, dann ging die Fahrt wieder zurück.

Am Parkplatz beobachteten wir noch 2 Graukopfgänse (Cauquén real), die dort mit ihren Jungen herumspazierten.

Auch auf der Rückfahrt fanden wir noch eine Reihe schöner Fotomotive. Bei einem Fotostopp sahen wir im Gras eine Morchel. Diese Pilzart kannten wir bis dahin nur getrocknet. Wir hätten sie gern auch einmal frisch probiert, aber da wir dort keine weiteren fanden, ließen wir sie lieber stehen.

Wir fuhren zurück wieder durch El Chaltén, dann noch einige Kilometer auf der RP 23 in Richtung RN 40 und bogen schließlich nach rechts auf eine 8 km lange Piste zur Bahía Túnel ab.

Von dort wurden laut Reiseführer Bootstouren zum Viedma-Gletscher, dem zweitgrößten Gletscher Argentiniens, angeboten. Die Station war aber offensichtlich schon seit längerem geschlossen. Es gab nur noch einen Anleger und das Fundament eines Gebäudes.

Wir beschlossen dort zu nächtigen, denn das Fundament war eben. Einige Zeit nach dem wir uns installiert, besuchte uns noch ein Hase, ansonsten war es dort ruhig.

Am nächsten Tag wollten wir noch ein letztes Mal versuchen, das Fritz-Roy-Massiv im Licht der aufgehenden Sonne zu fotografieren, und zwar von dem Aussichtspunkt an der RP 23 oberhalb von El Chaltén. Als wir um 4:15 Uhr aufstanden, war der Himmel zu unserer Freude überwiegend sternenklar. Nach einer Katzenwäsche machten wir uns gegen 4:30 Uhr auf den Weg. Kurz vorher kam ein Auto die Piste herunter, drehte aber auf dem Schotterparkplatz und fuhr sofort wieder zurück. Was das für eine Aktion war, konnten wir uns nicht erklären. Auf der Piste mussten wir immer wieder bremsen, um die vielen Hasen, die dort um diese Zeit herumsprangen, nicht zu überfahren.

Am Aussichtpunkt waren wir die Ersten. Als wir unser Stativ und Kamera gerade installiert hatten, kam noch ein weiterer Fotograf dazu, vermutlich ein Japaner, der sich mit einem Taxi hatte dort hinbringen lassen.

Der Sonnenaufgang war wirklich sehr schön. Danach frühstückten wir noch dort und fuhren dann nochmal zum Besucherzentrum, um Trinkwasser nachzufüllen.

Unser nächstes Ziel war der Parkeingang zum Parque Nacional Los Glaciares bei El Calafate, von wo man zum Perito-Moreno-Gletscher gelangt. Auf der RP 23 hielten wie noch mehrmals an, einmal um die einzige Tankstelle von El Chaltén zu fotografieren, die Reisende aus aller Herren Länder über und über mit Aufklebern geschmückt hatten und bei der man auch zu diesem Zeitpunkt noch ausschließlich mit Bargeld bezahlen konnte. Und dann auch, weil immer wieder Kondore über uns kreisten und wir hofften, sie endlich einmal formatfüllend ablichten zu können. Daraus wurde aber leider auch dort nichts.  

Nach knapp 90 km auf der RP 23 bogen wir schließlich sind auf die legendäre RN 40 ab. Unterwegs kamen uns einige Wohnmobile der ersten Gruppe der Seabridge-Tour 2019/2020 entgegen. An den Aussichtspunkten sprachen wir mit einigen von ihnen. Alle waren mit dem bisherigen Reiseverlauf sehr zu frieden. Nach 94 km Kilometern auf der RN 40, einer zumindest bei dem schönen Wetter sehr beeindruckenden Route, bogen wir auf die RP 11 nach El Calafate ab. Dort begegneten wir der „Nachhut“ der ersten Seabridge-Gruppe, ihren Reiseleitern Uwe und Marion.

In El Calafate kauften wir noch ein, besorgten uns etwas Bargeld und bummelten eine Weile über die Avenida del Libertador, die Hauptstraße dieses Ortes mit vielen Geschäften, Cafés und Restaurants. Auch hier war es sehr touristisch, aber El Calafate gefiel uns besser als El Chaltén.

Dann schauten wir uns noch den Campingplatz El Ovejero an, der sehr zentral am Rande des Zentrums von El Calafate gelegen ist. Dort stand ein Wohnmobil mit Düsseldorfer Kennzeichen. Es war das Fahrzeug der Reiseleiterin Janette der zweiten Seabridge-Gruppe. Wir unterhielten uns mit ihr und erfuhren, dass die die Teilnehmer ihrer Tour derzeit individuell auf Erkundungstouren je nach eigenem Interesse in der Gegend von El Calafate unterwegs waren.

Obwohl uns der Campingplatz ganz gut gefiel, fuhren wir erst einmal weiter zur Einfahrt zum Parque Nacional Los Glaciares, denn die Wetterprognose für den nächsten Tag war gut, und wir wollten dann auf jeden Fall am Gletscher sein, bevor die Reisebusse dort eintrafen.

Auf dem Weg dorthin wurde ein Geräusch beim Fahren, dass wir schon am Vortag auf der Fahrt zur Bahia Túnel wahrgenommen hatten, immer intensiver. Wolfgang hielt an und stellte fest, dass der äußere linke Hinterreifen wenig Luft hatte.

Wir fuhren zurück zu einer Tankstelle, die wir unterwegs gesehen hatte, und Wolfgang versuchte Luft aufzufüllen. Dabei stellte er fest, dass der Reifen auf der Lauffläche ein Loch hatte. Er fragte den Tankwart gefragt, ob er den Reifen dort wechseln könne. Der Tankwart verstand ihn nicht, schickte uns aber zu einer Gomeria (Autoreifenwerkstatt) ganz in der Nähe. Als wir dort auf den Hof fuhren, kam sofort ein Mitarbeiter zu uns, schaute sich unser Dilemma an und machte sich an die Arbeit. Er fand allerdings keine 19er Nuss, doch Wolfgang konnte ihm mit unserer aushelfen. Er nahm das Rad ab und brachte es in die Werkstatt. Dort gab er Druck drauf, um das Loch zu lokalisieren. Er nahm den Reifen von der Felge, stellte ihn in eine Vorrichtung, die Wolfgang bis dahin noch nicht gesehen hatte, und spreizt darin die vorher markierte Stelle.

Was dann kam, erinnerte Wolfgang an die Zeit, als er noch selbst löchrige Fahrradschläuche geflickt hatte: Erst raute er die defekte Stelle mit einem druckluftbetriebenen Schleifgerät auf und trug dann eine Gummilösung auf. Nachdem sie abgetrocknet war, brachte er dort einen Flicken auf. Anschließend zog er den Reifen wieder auf die Felge auf, gab etwas Druck drauf (Humpbett-Felge) und dann den endgültigen Druck. Es folgte noch eine Dichtigkeitsprüfung im Wasserbad, dann wurde der Reifen wieder ans Fahrzeug montiert. Und was war mit Auswuchten? Nichts, eine entsprechende Maschine war zwar vorhanden, aber vermutlich konnte sie keiner der Anwesenden bedienen. Die Radmuttern wurden nach Gefühl angezogen, fertig. Das gesamte Unternehmen dauerte eineinhalb Stunden und kostete 500 Ar$ (7,54 €).

Dagmar beschäftigte derweil die Kinder des Mitarbeiters, zwei Jungen im Alter von ca. 4 und 6 Jahren. Sie interessierten sich sehr für unser Wohnmobil und wollten alles ganz genau erklärt haben, was Dagmar auch geduldig, so gut es mit ihren Spanischkenntnis ging, tat.

Um 18 Uhr konnten wir dann weiterfahren. Der Nationalpark war bereits geschlossen, aber ein Ranger der dort wohnte, zeigte uns einen Platz vor dem Park, auf dem wir über Nacht stehen bleiben durften.

Bei dem einen oder anderen Glas Wein verdauten dort wir erst einmal diesen Tag, gingen dann aber relativ früh schlafen, da wir am nächsten Morgen möglichst kurz nach Öffnung der Schranke zum Gletscher fahren wollten.

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