MONTEVIDEO – USHUAIA

4. Teil: Punta Loma – Bosque Petrificado Jaramillo

09.11. bis 21.11.2019

An der „Punta Loma“ knapp 20 km südöstlich von Puerto Madryn befindet sich ein weiteres Naturreservat, in dem eine Seelöwenkolonie lebt. Die Tiere liegen auf dem Sandstrand vor der Steilküste. In den Klippen nisten Felsenscharben (Phalacrocorax magellanicus). Sie gehören zur Familie der Kormorane und kommen nur im Süden Südamerikas vor.

Im Reiseführer „Argentinien mit Patagonien und Feuerland“ von REISE Know How wird dieses Reservat als besonderer Tipp hervorgehoben. Für Tierfotografen ist es aus unserer Sicht dort allerdings nicht so toll, da es nur eine Aussichtplattform auf den Klippen gibt, die Tiere dadurch relativ weit weg sind und nur von oben beobachtet werden können.

Für uns ging es dann zunächst zurück nach Puerto Madryn und dann über die RP 1 nach Rawson, 60 km schnurgerade Piste durch eine ziemlich langweilige Landschaft. Die letzten Kilometer vor Rawson waren allerdings erschreckend. Wir fuhren durch eine Müllkippe. So etwas haben wir vorher noch nicht gesehen. Alles lag dort, Hausmüll, landestypisch mit reichlich Plastiktüten, Schrott, Sperrmüll, einfach alles, was irgendwo wegmusste.

Die Einfahrt nach Rawson führte erst durch eher einfache Gegenden. Wir fuhren zum Strand, der Playa Unión, und suchten uns dort einen Stellplatz. Wir richteten den MEXI im Wind aus (es war sehr windig) und blieben übers Wochenende dort. Vor dem Strand sollen dort schwarz-weiße Commerson-Delfine zu beobachten sein. Während unseres Aufenthalts sahen wir leider keine.

Am Montag fuhren wir weiter nach Trelew, eine moderne Industriestadt, die im Jahr 1886 als Eisenbahnstation von walisischen Siedlern gegründet wurde. Wolfgang wollte dort bei der Mercedes-Werkstatt einen Ölwechsel machen lassen und neue Scheibenwischer kaufen. Das war jedoch eine komplette Fehlanzeige: Ölwechsel hätte erst am darauffolgenden Freitag gemacht werden können, und Scheibenwischer waren auch nicht vorrätig.

Wir fuhren weiter zum paläontologischen Museum MEF, das eines der weltweit besten sein soll. Es zeigt einzigartige Exponate aus der prähistorischen Zeit. Die Parkplatzsuche gestaltete sich schwierig, aber schließlich erlaubte uns der Wächter auf dem Parkplatz am Busbahnhof, auf einem Behindertenparkplatz zu parken. Auf dem Weg zum Museum, übersah Wolfgang ein Loch in der Straße und fiel der Länge nach hin. Er hatte eine Schürfwunde an der Wange, einen großen Bluterguss an der Stirn, Schmerzen an der Schulter, und seine Brille war verbogen und ein Glas rausgefallen. Aber Wolfgang ist hart im Nehmen, und wir gingen trotzdem noch ins Museum.

Die Exponate begeisterten uns. Vor ca. 10 Millionen Jahren lebten in Patagonien unzählige Saurier, und mehrmals im Jahr werden hier heute noch  Funde von großen Knochen prähistorischer Tiere gemeldet.

In der Bank gegenüber dem Museum fanden wir dann endlich mal wieder einen Geldautomaten, an dem Wolfgang sich mit seiner Kreditkarte Geld auszahlen lassen konnte.

Wir übernachteten auf dem Campingplatz der Feuerwehr in der walisischen Kolonie Gaiman, einem herausgeputzten Dorf, das im Wesentlichen vom Tourismus lebt. Den erhofften Handyempfang hatten wir nicht, dafür Strom, Wasser und Mücken!

Am nächsten Morgen war der Himmel wieder blau. Da wir im iOverlander gelesen hatten, dass viele Tankstellen auf der vor uns liegenden Strecke nur Debitkarten und keine Kreditkarten akzeptieren, fuhren wir nochmal die 18 km zur Bank in Trelew zurück und hoben von zwei verschiedenen Konten insgesamt 10.000 Ar$ (zu dem Zeitpunkt 152 €) ab. Auf dem Weg dorthin schien es, als ob Nebel über Trelew läge. Das war aber nicht so, es war eine Staubwolke.

Dann ging es weiter über die RP 1 zur Playa Escondia. Dort sollte es eine Seeelefantenkolonie geben. Es waren einige Seeelefanten da und auch einige Seelöwen, aber nicht in der Anzahl, die wir erwartet hatten. Den Tieren konnten wir uns bis auf ganz kurze Distanz und in Augenhöhe nähern.

Wir fuhren dann weiter auf der RP 1 zur Reserva Natural Turistica Punta Tombo. Dort befindet sich die größte Brutkolonie der Magellanpinguine. Die Zahlen schwanken zwischen 500.000 und 2.000.000 Tieren.

Kurz vor dem Abzweig auf die RP 75 gab das NAVI den Hinweis: Im Kreisverkehr an der dritten Ausfahrt ausfahren. Ein Kreisverkehr auf einer Schotterpiste? Es kam anders: Kurz vor dem Kreisverkehr (100 m) war die RP 1 asphaltiert, und es gab tatsächlich die dritte Ausfahrt Richtung Punta Tombo. Das schönste daran war, die Asphaltierung hörte nicht direkt hinter dem Kreisverkehr auf, sondern erst 17 km später, nämlich an der Zufahrt zum Reservat. Gegen 16 Uhr kamen wir dort an. Wir überlegten, ob es sich noch lohnte, ins Reservat zu fahren oder erst am nächsten Tag, denn laut Reiseführer schloss der Park um 18 Uhr. Wir entschieden, noch ins Reservat zu fahren und was folgte, war natürlich wieder Piste, 22 km vom Feinsten. Kurz nach 17 Uhr kamen wir dort an.

Wir bezahlten noch schnell die 550 Ar$ (8,40 €) Eintritt pro Person und machten uns auf den Weg. Durch die Pinguinkolonie führte ein 3 km langer Fußweg. Der Weg bestand aus Holzbohlen, die meist auf dem Boden auflagen, gelegentlich aber auch auf Stützen, so dass die Tiere ungehindert darunter durchlaufen konnten. Was wir dort vorfanden, war schon beindruckend. So viele Tiere an einem Platz hatten wir zuvor noch nie gesehen. Soweit das Auge reichte waren Höhlen im Boden, in denen die Pinguine wohnte. Da gerade Balzzeit war, hörte man überall den entsprechenden Gesang. Das war wirklich toll. Wir kamen sehr nah an die Pinguine heran. Manchmal watschelten sie auch auf den Holzbohlen vor uns her. Es waren auch einige Guanakos bei den Pinguinen, allerdings meist in größerer Entfernung. Am Ende des Weges gab es einen Aussichtspunkt aufs Meer. Dort lagen am Strand Seelöwen, und im Wasser sprangen ab und zu Robben in die Höhe.

Es war schon 19:30 Uhr, als wir den Park verließen, und wir waren nicht die Letzten. Wir fuhren die 22 km Schotterpiste zurück, fuhren noch 3,6 km auf der RN 1 und blieben dort in einer Kiesgrube neben der Straße über Nacht stehen. Der Stellplatz war von der Straße aus nahezu nicht einsehbar und ganz wichtig, windgeschützt.

Am nächsten Morgen mussten wir uns entscheiden: Weiter über die RP 1 (125 km Schotterpiste) oder über die RP 75 zurück zur RN 3 und dann über die RP 30 nach Camarones. Wir entschieden uns für den Umweg (253 km), da diese Route durchweg asphaltiert war. Die Fahrt durch die Pampa del Andaluz war unspektakulär. Wir kamen um 15 Uhr in Camarones an. Das im iOverlander als gut beschrieben freie WiFi konnten wir nicht finden, und die erwähnten Trinkwasserentnahmestellen funktionierten nicht. Aber dort fiel uns zum ersten Mal auf einer Mauer ein kleiner schwarzbrauner Vogel auf. Es handelte sich um einen männlichen Patagoniensporntyrann (Lessonia rufa), eine Vogelart, die vom Norden Chiles über den Nordwesten Argentiniens und Uruguays bis in den Süden Feuerlands verbreitet ist.

Dann fuhren wir zu einer weiteren Pinguinkolonie in der Reserva National Turistica Cabo Dos Bahias (36 km Piste). Wir kamen um 16 Uhr dort an. An der Einfahrt trafen wir auf eine Herde Guanakos. So wenig scheue Tiere hatten wir bisher noch nicht gesehen. Irgendwann hatten wir genug fotografiert und fuhren weiter. Ein Ranger, der Eintritt verlangte, war dort nicht zu sehen.

Nach ca. 3, 5 km ab Parkanfang erreichten wir einen Parkplatz, auf dem wir den MEXI abstellen und zu Fuß weitergehen konnten. Auch hier grasten wenig scheue Guanakos. Ähnlich wie an der Punta Tombo führte der Weg über Laufstege, hier allerdings aus Metall und meist sehr hoch aufgestelzt. Das erzeugte ein unangenehmes Laufgeräusch. Sich vorsichtig und möglichst geräuschlos den Tieren zu nähern, war hier nicht möglich.

Die Magellanpinguine, bei weitem nicht so viele wie an der Punta Tombo, waren recht nett anzusehen, aber fast immer nur von oben. Auch das fanden wir an der Punta Tomba besser.

Auf dem Laufsteg saß ein kleiner Vogel, der sich geduldig ablichten ließ, wahrscheinlich ein Schuppenkehl-Erdhacker (Upucerthia dumetaria). Eine Morgenammer, auch Rotscheitelammer oder Braunnacken-Ammer (Zonotrichia capensis austral) genannt, unterhielt uns mit ihrem Gesang.

Als wir die Aussichtplattform erreichten, hatten einige Pinguine gerade ihr Bad im Meer beendet und sonnten sich nun auf dem Kiesstrand. In einiger Entfernung sonnten sich reichlich Seelöwen auf einer Landzunge.

Wir konnten beobachten wie ein Skua einen brütenden Pinguin so lange attackierte, bis er sein Nest verließ. Dann schnappte sich der Vogel das Ei und flog mit dem Ei im Schnabel davon.

Am Parkplatz konnte Dagmar dann noch einen Kordillerenämmerling (Phrygilus gayi) und einen weiteren Vogel fotografieren. Eventuell handelt es sich dabei um eine Morgenammer im Jugendkleid, aber ganz sicher sind wir uns nicht.

Auf der Fahrt zum Parkausgang sahen wir noch einmal Guanakos. Wolfgang hielt an und stellte den Motor ab. Vor uns waren etwa 20 -25 Tiere, die gemächlich auf uns zukamen und dann vor dem Fahrzeug ganz langsam über die Straße liefen, so als ob wir nicht da wären. Einzig das Klicken der Kamera ließ die Tiere aufhorchen. Hinter dem Wohnmobil waren nochmal genauso viele Tiere. Das war ein schöner Abschluss des Tages. Wir nehmen an, dass die Guanakos dort so wenig scheu waren, weil sie in den Nationalparks nicht gejagt werden dürfen.

Wir verließen den Park um 19 Uhr und fanden an der Playa Caleta Carolina einen schönen Übernachtungsplatz ca. 5 km vor dem Parkeingang.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen konnten wir aus nächster Nähe „Dagmars Hühner“ (Perlsteißhühner, Eudromia elegans) beobachten und fotografieren. Normalerweise laufen diese Tiere immer sehr schnell weg, so dass man sie nur von hinten sieht. Das war hier anders. Sie gingen gemächlich am Wohnmobil vorbei, so dass wir sie auch von vorne fotografieren konnten. Eine Gruppe von Austernfischern stand so lange am Strand, bis Wolfgang die Tür öffnete.

Vor uns lagen nun zunächst 22 km Piste zurück nach Camarones. Dort hielten wir nochmal an der Strandpromenade und am Hafen und machten einige Fotos.

Ab Camarones fuhren wir auf der asphaltierten RP 30 zurück zur RN 3 und auf der durch die Pampa del Salamanca bis Comodoro Rivadavia.

Comodoro Rivdavia (ca.177.000 Einwohner) ist eine bedeutende Hafen- und Industriestadt an der Atlantikküste. Wir fuhren dorthin, weil es dort eine Mercedes-Werkstatt geben sollte.

Auf dem Weg dorthin sahen wir erstmals zwei Teilnehmerfahrzeuge der Seabridge-Tour, die vier Wochen nach uns in Südamerika angekommen waren.

In Comodoro Rivadavia kauften wir zunächst bei Easy, einem Baumarkt, Rohrisolierungsschlauch. Wolfgang wollte dem Klappern auf dem Dach irgendwie ein Ende bereiten. Dort bekamen wir auch endlich eine Knoblauchpresse, denn unsere hatten wir zuhause vergessen.

Danach kauften wir nebenan bei Jumbo Lebensmittel ein und fanden dort auch eine Fitness-Matte, die noch besser für die Dachaktion geeignet war als der Rohrisolierungsschlauch.

Dann begann die Suche nach der Mercedes-Werkstatt. Nach einigen Irrfahrten, auch wegen der Einbahnstraßen in Comodoro Rivadavia, fanden wir die Werkstatt. Dort sah es so aus wie bei einer Mercedes-Vertretung in Deutschland, mit Empfang und so weiter. Einer der drei gut gekleideten Männer, die dort beisammensaßen, kam auf uns zu und informierte uns, dass die Werkstatt und der Teileverkauf nur zwischen 8:30 Uhr und 17:30 Uhr geöffnet waren. Wir sollten am nächsten sollte wiederkommen. Die im iOverlander angegebene Öffnungszeit bis 20 Uhr gilt nur für den Fahrzeugverkauf.

Wir fuhren wir zum Camping Municipale im Nachbarort Rada Tilly. Dort sollte es Strom und freies WiFi geben. Da wir uns dringend wieder um unsere Webseite kümmern mussten, hatten wir dort einen längeren Aufenthalt eingeplant. Wir fanden einen brauchbaren Platz zwischen Eukalyptusbäumen.

Nach dem Frühstück fuhren wir zu Räder SA, der Mercedes-Werkstatt in Comodoro Rivadavia. Wir wurden freundlich empfangen. Ein junger Mechaniker, der gut Englisch sprach, wurde aus der Werkstatt geholt. Der Ölwechsel konnte sofort gemacht werden und auch die Scheibenwischerblätter waren vorrätig. Wir konnten derweil im Wartebereich bei Kaffee das WiFi nutzen (RaderClientes).

Der Mechaniker wies uns darauf hin, dass es hier in Südargentinien sinnvoll ist, auch den Luftfilter früher als normal zu wechseln. Er hatte den Aktivkohlefilter für die Klimaanlage gesehen und der sah schon grausig aus, obwohl Wolfgang ihn auf den Camping Punta Pirámides schon ausgeschlagen hatte. Er zeigte uns dann den Luftfilter für den Motor, leider haben wir davon kein Foto gemacht. Es war durchaus der richtige Zeitpunkt, ihn wechseln zu lassen. 

Alles zusammen dauerte 90 Minuten und kostete 435 US$ (zu dem Zeitpunkt 394 €). Die Arbeitszeit war mit 61 € äußerst günstig.

Für den Fall der Fälle gab uns der Mechaniker auch noch seine Telefonnummer und wir ihm einige Euro-Münzen für seine Münzsammlung, von der er uns stolz ein Foto zeigte. 

Danach wollten wir noch ausprobieren, wie man in Argentinien an Gas kommt. Wir hatten gelesen, dass es mit Tank-Flaschen kein Problem wäre. Wir hielten bei Surgas an, und Wolfgang ging mit dem ACME-Adapter zum Schalter. Der Mann dort sagte ihm, dass es kein Problem wäre, die Flasche zu füllen, er sollte sie holen. Die ist bei uns aber fest im Fahrzeug eingebaut und nur mit größerem Aufwand zu demontieren. Er fragte einen Kollegen und der meinte, das füllen der eingebauten Flasche wäre nur mit einem Tankwagen möglich. Er holte einen Tankwagen vom Hof, stellte ihn vor dem MEXI ab und rollte den Schlauch aus. Wir haben 14 L getankt und dafür 410 Ar$ (6,25 €) bezahlt, das war günstiger als zu Hause. Nun war dieses Problem auch gelöst.

Während dieser Aktion blies der patagonische Wind in voller Stärke. MEXI stand quer zum Wind, und das Wohnmobil wackelte so, dass Dagmar meinte, es könne umkippen. Der aufgewirbelte Sand fühlte sich an den Beinen an wie ein Sandstrahlgebläse. Anschließen fuhren wir zurück zum Campingplatz in Rada Tilly. Wir blieben noch 2 weiter Tage dort, um unsere Wäsche zu waschen und weiter an unserer Webseite zu arbeiten. An die Aktion mit der Fitnessmatte war wegen des Windes die ganze Zeit nicht zu denken.

Unser nächstes Ziel war die Reserva Natural Turistica Bosque Pertrificado Sarmiento. Wir fuhren auf der RN 3 in Richtung Comodoro Rivadavia und von dort auf der RN 26 nach Sarmiento.

Auf dem Weg dorthin trafen wir Rolf und Regina und sprachen noch eine Weile miteinander. Auch ihr Ziel war das der versteinerte Wald bei Sarmiento. Rolf wollte über die südliche Zufahrt dorthin fahren, wir über die nördliche aus Sarmiento kommend. Am Abzweig zur RP 20 haben trennten sich unsere Wege daher wieder.

In dem Gebiet rundum Comodoro Rivadavia ist der Boden erdölhaltig, dementsprechend sahen wir immer wieder Erdölpumpen am Wegesrand.

Wir folgten weiter der RN 26 nach Sarmiento. Dort füllten wie zunächst unsere Vorräte auf. Wir wollten erst am späteren Nachmittag am versteinerten Wald ankommen, denn wir hofften, dann bessere Lichtverhältnisse zum Fotografieren zu haben als um die Mittagszeit.

Wir fuhren auf der RP 24 zum Nationalpark, 22 km, abgesehen von den ersten vier km natürlich wieder Piste. Auf dem Wege zum Park sahen wir Flamingos, Schwarzhalsschwäne und Nandus, aber wegen der allgegenwärtigen Zäune waren sie nicht gut zu fotografieren. Wir kamen kurz vor 16 Uhr an unserem Ziel an.

Auf dem Parkplatz trafen wir noch einmal Rolf und Regina, die ihren Rundgang durch den Park gerade beendet hatten. Nach einem kurzen Plausch gingen wir dann in den Park. Hier führt ein 1,3 km langer Rundweg durch eine faszinierende Landschaft, das Mondtal – Valle Lunar. Auf den Informationstafeln am Wegesrand und im Besucherzentrum war sinngemäß folgendes über die Geschichte des Tals und die Entstehung der versteinerten Bäume zu lesen:

Vor 90 Millionen mündete dort ein Fluss ins Meer. Die Mündungslandschaft war geprägt von Lagunen und dichten Wäldern aus Palmen, Farnen und Nadelbäumen. Dinosaurier dominierten das Land, Krokodile und Schildkröten lebten an der Küste und Haie im Meer.

Vor 65 Millionen Jahren überflutete der Atlantische Ozean diese Region und bildete eine große, von Flüssen, Strömen und Sümpfen durchsetzte Küstenebene. Viele der Bäume des uralten Waldes (hauptsächlich Nadelbäume) wurden aus irgendeinem Grund gefällt und von den Flüssen an ihre Mündungen gespült. Dort wurden sie schnell zusammen mit anderen, die dort standen (Palmen) mit porösem Sand und Vulkanasche bedeckt, ohne ihre Struktur zu verlieren oder sich zu zersetzen. Das Wasser drang in das Holz ein, und die darin gelöste Kieselsäure imprägnierte langsam die Zellen, umgab sie und konservierte sie für immer. Über die Jahre gewannen diese Bäume an Gewicht und Widerstandsfähigkeit und wurden zu Stein.

Heute ist das Klima dort trocken und das Meer hier weit entfernt. Die Landschaft ist geprägt von sanften Hügeln mit abgerundeten Spitzen, die aus Vulkanasche und unterschiedlich gefärbten Sandsteinschichten bestehen. Wind und Wetter legten und legen die Fossilien nach und nach wieder frei.

Die unterschiedlich gefärbten Schichten der umliegenden Hügel lassen sich den verschiedenen Epochen und klimatischen Bedingungen zuordnen:

Die unterste graue Schicht stammt aus der Zeit, als hier noch Dinosaurier lebten und besteht aus Vulkanasche auf mäandernden Flussebenen.

Die darüber liegende grüne Schicht wurde aus dem Boden des 65 Millionen Jahre alten Deltas gebildet. In dieser Schicht befinden sich die versteinerten Baumstämme sowie Blattabdrücke, Meeresmuscheln und Haifischzähne.

Die folgende schwarze Schicht ist 62 Millionen Jahre alt und setzt sich aus überschwemmten Böden und Sumpfboden nach Rückzug des Meeres zusammen.

Die darüberliegende rotbraune Schicht enthält Reste von Urwaldböden mit großen Mengen an Eisenoxid.

Die obere ockerfarbene Schicht besteht aus Vulkanasche aus der Entstehungszeit des Andengebirges.

Auf den Hängen liegen die Baumstämme auf dem Boden verstreut oder in Sediment eingehüllt. Erosion durch starken Wind, der hier seit Jahrtausenden fast immer aus Westen weht, und Regen legten sie nach und nach wieder frei.

Die Baumstämme sahen aus, als ob sie erst gerade abgebrochen wären, aber alles war mineralisiert und zu Stein geworden. Durch die täglichen und jahreszeitlichen bedingten, sehr großen Temperaturschwankungen (+40°C /-18°C) hier, brechen die Fossilien auf. Das Wasser, das sich in den Rissen ablagert, gefriert und übt einen starken Druck aus, wodurch kleinere Teile der Stämme abfallen. Die sehen aus wie Rindenmulch, aber es knirschte, wenn sie den Weg bedeckten und man darüber lief.

Am höchsten Punkt des Parkes bliess der Wind so stark, dass wir Schwierigkeiten hatten, uns gerade zu halten.

Leider zog der Himmel zunächst immer weiter zu, aber gegen 17:30 Uhr ließ sich dann doch nochmal die Sonne blicken, und es machte wieder mehr Spaß, diese eigentümliche Landschaft zu fotografieren.

Wir verließen den Park um ca. 19 Uhr. Am Ausgang wurden all unsere Taschen kontrolliert, denn es ist strengstens verboten irgendetwas von den Fossilien als Andenken mitzunehmen.

Wir fuhren zurück in Richtung Sarmiento. An einem Zaun neben Viehgitter waren mehrere tote Füchse aufgehängt. So etwas hatten wir in Argentinien schon öfter gesehen. Was es damit auf sich hat, haben wir bisher nicht herausgefunden. An einer Brücke fanden wir einen Platz für die Übernachtung. Dagmar war zwar zunächst nicht ganz überzeugt, aber wir blieben dort, da es durch die Brücke und die Bäume einen gewissen Schutz vor dem Wind gab.

Am nächsten Morgen war der Wind eingeschlafen. Nach dem Frühstück beobachteten wir noch eine Zeitlang zwei Bronzekiebitze, die lautstark versuchten, ein anderes Paar von ihrem Revier fernzuhalten. Dabei fiel uns zu ersten Mal auf, dass diese Vögel Sporne an ihren Flügelspitzen haben, die sie im Kampf zu ihrer Verteidigung nutzen.

An den Pflanzen kletterten überall orangebraune, haarige Raupen. Ob sich dabei um den Feuer- oder Nesselwurm (Hylesia nigricans) handelte, dessen Haare bei Berühren starke Reizungen und Dermatitis auslösen können, wissen wir nicht, wollten wir aber auch nicht ausprobieren.

Wir fuhren zunächst noch einmal ein Stück zurück zu einer Lagune, an der wir am Vorabend einige Flamingos gesehen hatten. Die standen nun näher an der Straße als am Abend. Wir beobachteten sie eine Weile, und wir freuten uns, dass wir noch einige Fotos machen konnten.

Danach ging es über die RP 24 weiter in Richtung Sarmiento. Wir hatten dort am Vortag einen Kiosk gesehen, an dem Dagmar ihre Movistar SIM-Karte aufladen wollte. Leider klappte es nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Statt des Datenvolumens von 5 GB für 30 Tage, das wir in Buenos Aires für 400 Ar$ (ca. 6,00 €) erhalten hatten, bekam sie hier für den gleichen Betrag 50 MB für 180 Tage.

Sarmiento liegt zwischen zwei Seen, dem Lago Colhé Huapi und dem Lago Musters. Die wollten wir uns ansehen und eventuell dortbleiben. Die Piste zum Lago Clohé Huapi wurde jedoch zusehends schlechter, so dass wir beschlossen, auf diesen Abstecher zu verzichten und nur die 18 km bis zum Lago Musters zu fahren. Aber auch dieser Abstecher hat sich für uns nicht wirklich gelohnt. Es wehte ein starker auflandiger Wind, wodurch der See nicht wirklich zum Bleiben einlud.

Wir fuhren zurück nach Comodoro Rivadavia, um dort bei Movistar das Problem mit Dagmars Telefonkarte klären zu lassen. Das am Morgen noch recht freundliche Wetter hatte sich verschlechterte. Es wurde grau und dunkel. Ob das, was wir vor uns sahen, nur aufgewirbelter Staub war oder auch Nieselregen, konnte man so nicht sagen. Auf jeden Fall war der Anblick bei weitem nicht so schön wie auf der Hinfahrt bei Sonnenschein. 

Beim Movistar-Laden mussten wir dann eine ganze Weile auf die einzige, Englisch sprechende Mitarbeiterin warten. Als wir dran waren, erfuhren wir, dass wir in dieser Gegend nur ein Datenpaket von 2 GB für 7 Tage für Prepaidkarte kaufen konnten. Das Angebot aus Buenos Aires gab es dort auf dem Lande nicht. Zumindest waren die 400 Ar$, die Dagmar in Sarmiento gezahlt hat, nicht ganz für die Katz.

Danach fuhren wir noch einmal nach Rada Tilly, wo wir auf dem Parkplatz an der Strandpromenade nächtigen wollten. Der Platz war eben und auch die Polizei hatte nichts dagegen, dass wir dort standen, aber der Wind rüttelte so heftig am Fahrzeug, dass wir uns um 19 Uhr beschlossen, einen windgeschützteren Platz zu suchen. Zunächst fuhren wir langsam an der Strandpromenade entlang bis zum Ende. Dort wurden wir von einem Mitarbeiter des Yachtclubs auf dessen Parkplatz gewunken. Das war sehr freundlich. Wir konnten den MEXI neben einem Gebäude abstellen, wo der Wind nicht mehr zu spüren war. Der Mann versorgte uns noch mit Strom, zeigte uns, wo wir den Wassertank auffüllen konnten und gab uns auch noch das WiFi-Password vom Yachtclub.

Am nächsten Morgen nutzte Dagmar das freie WiFi, um mal wieder an der Webseite zu arbeiten. Da wir immer noch windgeschützt standen, konnte Wolfgang derweil endlich auf das Dach vom MEXI steigen, um die Gymnastikmatte unter die Kabel der Solar-Panels zu schieben Das Unternehmen gestaltete sich schwieriger als gedacht, da der Raum unter den Panels recht flach war. Schließlich entschloss er sich, doch die Verschraubungen der Panels zu lösen, um bei angehobenen Panels die Matte unterschieben zu können. Eine der vorderen vier Schraubel hatte sich schon von selbst gelöst. Wolfgang hatte sie eine Woche zuvor schon einmal festgezogen, nun lag sie auf dem Dach und die hinteren vier Schrauben fehlten komplett. Damit war für uns das Übel des Klapperns, das seit Beginn der Pistenfahrten immer schlimmer wurde, gefunden.

Wolfgang schob dann trotzdem die Isomatte unter das Kabel und befestigte alles wieder. Die fehlenden Schrauben konnte er allerdings nur provisorisch ersetzen, da er hatte nur etwas kürzere Schrauben mitgenommen hatte. Aber zunächst sollte es reichen. Er wollte demnächst öfter kontrollieren, bei nächster Gelegenheit längere Schraube kaufen und die dann mit Loctite sichern.

Um 12 Uhr verabschiedeten wir uns und fuhren weiter. Unser nächstes Ziel war wieder ein versteinerter Wald, die Monumenta Nacional y Reserva Natural Bosques Petrificados. Es ging über die RN 3 an der Küste entlang zunächst bis Caleta Olivia. Die Ausblicke aufs Meer waren sehr schön, der Zustand der asphaltierten Straße leider miserabel. Es fehlte nicht mehr viel zur Wellblechpiste, Schlaglöcher ohne Ende, aber das Klappern war weg, hurra!  Hinter Fitz Roy suchten wir in der Pampa del Tongor den Abzweig auf die RP 93, fanden ihn aber nicht, was bedeutete, dass wir 133 km statt nur 85 km zum Park fahren mussten.

Also fuhren wir weiter südwärts bis km 2074 der RN 3, wo die RG 49 abzweigte, die auch zum Monumento National y Reserva National Bosques Petrificados führt.  Es war wieder Piste, und bis zum Parkeingang waren es von dort noch 50 km. Auf dem Weg zum Park sahen wir Guanakos, Nandus und Maras und legten immer wieder Fotostopps ein. Aber auch die ständig wechselnder Wolkenbilder am Himmel über der weiten Landschaft faszinierten uns. Wir fuhren noch ein Stück in den Park hinein, drehten dann aber nach 5 km, um vor dem Park einen Platz für die Nacht zu suchen, denn im Park war Camping verboten.  1 km vor dem Parkeingang fanden wir einen geeigneten Platz. In einiger Entfernung stellte sich dann noch ein weiteres deutsches Fahrzeug hin, ein VW-Bus, in dem ein junges deutsches Ehepaar mit zwei kleinen Kindern eine Langzeitreise unternahm. Als die Sonne unterging, war Dagmar begeistert, dass sie beim Fotografieren endlich mal lange Beine bekam.

Über Nacht hatte der Wind abgenommen. Nach dem Frühstück fuhren wir zum 15 km entfernten Besucherzentrum. Wir wurden registriert. Eintritt mussten wir nicht bezahlen. In dem kleinen Museum hatten wir die Möglichkeit, verschiedene Fossilien zu berühren, ansonsten war es im Nationalpark verboten.

Die versteinerten Bäume und die interessante Landschaft konnte man auf einem 2 km langen Rundweg betrachten. Es war dort völlig anders als in dem erst Park, aber auch wieder toll und wirklich eindrucksvoll. Wir wanderten dort ca. 2 Stunden herum und fotografierten natürlich wieder unheimlich viel.  

Zum Ende hin wurden wir von einer Drohne überflogen. Das fanden wir etwas merkwürdig. Später stellte es sich heraus, dass dort ein Fernsehteam war, das für National Geographic einen Film mit dem Titel „Südamerika von oben“ produzierte. Sie baten uns dann auch, eine Einverständniserklärung zu unterschreiben, dass die Aufnahmen, auf denen wir zu sehen waren, veröffentlicht werden dürfen.