MONTEVIDEO – USHUAIA

3. Teil: Balneario El Cóndor – Puerto Madryn

Die Seelöwenkolonie in der Reserva Provincial Faunística Punta Bermeja ist eine der größten Fortpflanzungskolonien Südamerikas. Hier leben in den Sommermonaten etwa 6000 Seelöwen (Otaria flavescens), in der Wintersaison etwa 9000. Die männlichen Seelöwen sind deutlich größer und schwerer als die weiblichen Tiere. Sie können ein Gewicht von mehr als 300 kg erreichen, während die ausgewachsenen weiblichen Tiere nur zwischen 100 und 150 kg wiegen. Von November bis Januar bringen die Weibchen nach einer Tragzeit von 11 Monaten ihre Jungen zur Welt. Ungefähr 2 Wochen nach der Geburt sind sie bereit, sich wieder mit dem Männchen ihres Harems zu paaren. Ein Seelöwe hat in der Regel ca. 10 weibliche Tiere in seinem Harem.

Ein Ranger machte uns darauf aufmerksam, dass auch zwei Seeelefanten (Mirounga leonina) dabei waren. Sie haben ein helleres Fell als die Seelöwen. Leider kann man die Tiere nur aus großer Entfernung beobachten. Die Klippen sind bestimmt 70 m hoch und die Tiere entsprechend weit entfernt.

Wir wanderten einen Trail entlang, auf dem es noch zwei weitere Aussichtspunkte gab und erfreuten uns an den immer neuen Perspektiven auf die große Menge an Seelöwen und an allem was herumflog oder krabbelte. Anschließend schauten wir uns in dem kleinen, zugehörigen Museum noch einige Videos an, die die Ranger mit einer Drohne in dem Nationalpark aufgenommen hatten.

Insgesamt verbrachten wir drei Stunden dort, dann fuhren wir weiter auf der Schotterpiste RP 1 Richtung San Antonie Oeste. Nach ca. einer Stunde machten wir einen kurzen Fotostopp in Bahia Creek. Dabei sprach uns ein junger Argentinier an und sagte, dass kurz vorher ein anderes deutsches Paar mit Wohnmobil vorbeigekommen und auch in Richtung San Antonio weitergefahren sei. Es gäbe allerdings ein Problem mit der Straße dorthin. In ungefähr 3 Kilometern sei die Straße beschädigt, und man müsse den Weg über den Strand nehmen. Das sei aber kein Problem, das machten alle so, und die anderen Deutschen seien ja auch nicht zurückgekommen. Wir sind dann auch erstmal weitergefahren und erreichten die Stelle, die der Argentinier beschrieben hatte. Die Straße war mit Metallpfosten gesperrt und ein Pfeil wies auf den Strand. An einem Ölfass hing ein beschriftetes T-Shirt mit der Botschaft, dass es für Fahrzeuge ohne Allrad eine Tortur sei! Wir sahen uns den Anfang dieser Piste an und beschlossen, nach unseren Erfahrungen in Claramencó nicht schon wieder ein Festfahren im Sand zu riskieren.

machte

Also mussten wir zurück nach Viedma. Neben dem 150 km langen Weg über El Condór, auf dem wir gekommen waren, führte ab Bahia Creek noch die RP 51, eine nur 95 km lange Schotterpiste, zurück nach Viedma. Wir beschlossen diese zu nehmen. Erfahrung mit Schotterpisten hatten wir ja bereits. Wir freuten uns über das erste Perlsteißhuhn (Eudromia elegans), das wir fotografieren konnten, ohne dass es uns sofort komplett den Rücken zudrehte und über den ersten Schopfkarakara (Polyborus plancus), den wir sahen.

Die RP 51 war allerdings nicht nur Schotterpiste, sondern auch noch lehmig und schlammig. Im Nachhinein wäre der Umweg über El Cóndor mit 80 km Asphaltstraße sicherlich besser gewesen. Das Auto sah scheußlich aus, wie aus dem Off-Road Park. Und das nachdem MEXI am Vormittag nach dem Dauerregen in der Nacht und auf der Fahrt zur Seelöwenkolonie endlich mal wieder so richtig sauber ausgesehen hatte.

Bis Viedma brauchten wir etwas mehr als zwei Stunden. Dort tankten wir nochmal und fuhren dann über die RN 3 nach San Antonia Oeste. Gegen 19:50 Uhr erreichten wir dort den Campingplatz am Yachthafen. Beim Einparken merkte Wolfgang, dass die Rückfahrkameras nichts mehr anzeigten. Sie waren total mit Lehm verkrustet. Nach dem Reinigen funktionierten sie aber glücklicherweise wieder einwandfrei.

Wir waren die einzigen Gäste auf dem Campingplatz, der schon ziemlich in die Jahre gekommen war. Der Platzwart war nett, sprach allerdings nur spanisch. Wir sollten für das Auto 200 Ar$ und pro Person 50 Ar$.  Auf den 500 Ar$-Schein, den Wolfgang ihm gab, konnte er kein Wechselgeld rausgeben. Mit unseren letzten kleinen Scheinen bekamen wir nur 235 Ar$ zusammen, damit war er dann auch zufrieden.

Unser nächstes Ziel war die Peninsula Valdés. Am Morgen befreite Wolfgang erstmal die Heckklappe und die äußeren Staufächer mit Wasser vom Lehm. Danach fuhren wir zu einem Supermarkt, um uns für mehrere Tage mit Lebensmitteln einzudecken, denn wir hatten gehört, dass die Versorgungsmöglichkeiten auf Valdés ziemlich begrenzt wären. Gegen 12 Uhr ging es dann weiter auf der RN 3 Richtung Süden. Den Abstecher zur Reserva Provincial Complejo Islas Lobos sparten wir uns wegen der vor uns liegenden 350 km Fahrstrecke. Die Landschaft war nicht sehr abwechslungsreich, und es waren leider auch nur wenige Tiere zu sehen.

Kurz vor Puerto Madryn zweigt die RP 2 ab, die nach Puerto Pirámides auf der Peninsula führt. Auf dieser Strecke sahen wir zum ersten Mal Guanakos (Lama guanicoe). Sie gehören zur Familie der Kamele und gelten als Stammform der domestizierten Lamas.

Gegen 16:30 Uhr erreichten wir das Besucherzentrum, wo wir pro Person 850 Ar$ Eintritt zahlen mussten. Von einer Rangerin erhielten wir einige Routenvorschläge. Wir schauten uns die Informationstafeln im Besucherzentrum an und kletterten auf den zugehörigen Aussichtsturm, um zu sehen, was für eine Strecke vor uns lag.

Eine Stunde später waren wir dann auf dem Camping Municipale Puerto Pirámides, einem in die Jahre gekommenem Platz mit vielen Grillstellen. Wir bezahlten für das Auto 500 Ar$ und pro Person 250 Ar$ je Nacht, was vergleichsweise viel war, vor allem für einen Platz dessen Sanitäranlagen und Stellen zum Geschirrspülen man besser mied. Wir hatten aber an diesem Tag einfach keine Lust mehr, uns noch einen anderen Stellplatz zu suchen.

Wir nutzten das schöne Wetter und machten noch einen Spaziergang durch den kleinen Ort. Neben vielen Firmen, die Walbeobachtungstouren anboten, gab es einige Restaurants und Souvenirläden, eine Tankstelle, einen kleinen Lebensmittelladen, eine Bäckerei und einen Geldautomaten, der uns einfach nichts auszahlen wollte.

Am nächsten Morgen machten wir unsere erste Inseltour. Das erste Ziel war die Caleta Valdés. Die Rangerin hatte uns empfohlen, diese Gegend zwischen 13:30 Uhr bis 15:30 Uhr bei Hochwasser zu besuchen, denn dann sollte die Wahrscheinlichkeit, dort Orcas und Wale zu sehen, am größten sein. Zunächst ging es zur Tankstelle, um den Kraftstoffvorrat aufzufüllen und dann auf der RP 2, der einzigen asphaltierten Straße auf der Peninsula, bis zum Abzweig der RP 3, einer Schotterpiste mit übelsten Wellblecheinlagen. Es klapperte und wackelte Stellenweise ganz furchtbar.

Auf dem Weg sahen wir eine Kanincheneule (Athene cunicularia), einen Graufuchs (Lycalopex gymnocercus), einen Truthahngeier (Carthates aura), der sich an einem überfahrenen Kaninchen labte, dem aber ein Stück der Beute von einem kleinen Raubvogel stibitzt wurde und immer wieder Guanakos. Auch hier sind die Tiere sehr scheu und laufen meist weg, sobald sich ein Fahrzeug nähert.

Kanincheneulen sind 20 – 25 cm groß. Sie sind tag- und dämmerungsaktiv und brüten in Erdhöhlen, die sie mit Schnabel und Krallen in sandigen Boden graben. Sie benutzen auch verlassene Bauten von Säugetieren.

Graufüchse sind zwischen 45 und 65 cm groß und wiegen 2,5 – 5,5 kg. Sie ernähren sich von kleinen Säugetieren, Vögeln, Reptilien, Insekten und Pflanzen.

Truthahngeier haben eine Länge von 65 – 81 cm und eine Spannweite von 1,80 – 2,0 m. Sie sind reine Aasfresser und legen auf ihren Suchflügen hunderte von Kilometern zurück. Sie gehören zu den wenigen Vögeln mit Geruchssinn, die Tierkadaver auf große Entfernung riechen können.

Für die 33 km Schotterpiste zur Caleta Valdés haben wir eine Stunde gebraucht. Wir bogen auf die RP 47 in Richtung Punta Delgada ab und erreichten nach wenigen Kilometern den ersten Aussichtspunkt, die Pinguinera. Dort kann man Magellan-Pinguine (Spheniscus magellanicus) aus nächster Nähe beobachten. Manche waren wirklich nur 50 cm entfernt.

Megellan-Pinguine findet man in Argentinien an der Atlantikküste von der Peninsula Valdés bis Feuerland, auf den Falkland-Inseln und an der Pazifikküste von der Mitte Chiles bis Feuerland. Sie werden ca. 40 – 50 cm groß.  Sie brüten in Kolonien und bauen ihre Nester in Höhlen, die die Männchen mit dem Schnabel und den Füßen graben. Die Weibchen legen 2 – 3 Eier. Beim Brüten, Füttern und bei der Aufzucht der Küken wechseln sich Männchen und Weibchen ab. Um Futter für ihre Küken zu suchen, entfernen sie sich bis zu 600 km von ihrem Nest.

Der nächste Aussichtspunkt, den wir ansteuerten, war die Punta Cantor.  Zu unserem Entsetzen sahen wir dort schon aus der Ferne vier Tourbusse stehen. Die Landschaft war aber zu schön, um einfach weiterzufahren. Wir gingen zu den verschiedenen Aussichtplattformen und machten einige Fotos, aber so richtig wohl fühlten wir uns in dem Gedränge nicht.

Dann ging es weiter über die RP 47 Richtung Punta Norte. Für die 47 km brauchten wir ca. 1:30 h, und das nicht nur wegen der Fotostopps, sondern besonders wegen des Zustandes der Piste. Neben etlichen Guanakos sahen wir während dieser Fahrt unseren ersten Bronzekiebitz (Vanellus chilensis) zusammen mit einem Küken. Bronzekiebitze kommen in Argentinien und Chile mehr oder weniger überall vor. Sie verteidigen ihre Nester sehr aggressiv mit lauten Schreien, die in Büchern mit „keru…keru“ beschrieben werden, sich für uns aber eher wie „piri…piri“ anhören.

Auch die Punta Norte erreichten wir bei Hochwasser, Wale oder Orcas bekamen wir allerdings auch hier nicht zu sehen. Dafür machten uns die Seelöwen und Seeelefanten viel Freude, denn sie lagen nicht nur schlafend am Strand, sondern es gab richtig „action“. Wir beobachteten eine Seeelefantendame, die eine ganze Zeit laut brüllend in der Brandung verweilte. Zunächst gesellte sich ein Jungtier dazu, dann wurde auch eines der jüngeren Männchen auf sie aufmerksam und näherte sich ihr. Seine Absichten waren schnell klar, und er fackelte auch nicht lange rum. Danach ließ die Seeelefantendame ihren Liebhaber mit dem Jungtier allein. Die beiden tollten noch einige Zeit in der Brandung herum, dann wurde der Seeelefant müde und machte am Strand erst einmal ein Nickerchen. Nach einer Weile wurde es dem Kleinen zu langweilig. Er robbte am Strand auf und ab und bellte dabei wie ein Dackel. Irgendwann wurde der Krach wohl auch dem Seeelefanten zu laut, und er begab sich noch einmal ins Wasser, um mit dem Kleinen zu spielen. Dann bewegte sich plötzlich ein anderer Seeelefant auf die beiden zu, lockte den Kleinen aus dem Wasser und vertrieb das andere Männchen mit lautem Gebrüll. Möglicherweise war er der Vater von dem Kleinen, und der andere Seeelefant hatte sich an eine Haremsdame von ihm herangemacht, die sich dann ohne den Kleinen aus dem Staub gemacht hatte. Genau wissen wir es allerdings nicht.

Während der ganzen Zeit segelte ein großer brauner Vogel über den Strand oder zog seine Kreise über dem Meer. Von den Rangern hier wird er auf Englisch „Skua“ genannt, aber um welche Spezies es sich dabei genau handelt, wissen wir noch nicht. Die Beschreibungen in den uns hier zur Verfügung stehenden Vogelführern in englischer und spanischer Sprache weichen stark von dem ab, was man bei Eingabe der lateinischen oder englischen Namen bei Google auf Deutsch zu den Tieren findet.

Nach knapp 2 Stunden machten wir uns wieder auf den Weg. Es lagen 79 km Waschbrettpiste vor uns, und das war das schlimmste Stück der ganzen Rundreise. Es schepperte nicht nur innerhalb des Fahrzeugs, vom Dach her hörten wir nun ein lautes Klopfen, das wir zunächst nicht zuordnen konnten und uns deshalb große Sorgen bereitete. Als wir nach 2 Stunden durchgeschüttelt den Campingplatz erreichten, waren wir fix und fertig. Aber mal abgesehen von der schrecklichen Fahrerei, war es ein Tag so richtig nach unserem Geschmack. Die Landschaft ganz selbstbestimmt betrachten und die Tiere beobachten zu können, war genau das, was wir uns von dieser Reise erhofft hatten.

Am nächsten Morgen kletterte Wolfgang nach dem Frühstück aufs Dach, um nachzusehen, was für die Klopfgeräusche verantwortlich sein könnte. Das einzig lose, was er fand waren die Kabel zwischen den Solar-Panels. Jetzt kam das Power-Tape von Henkel zum Einsatz, das wir von Dagmars ehemaligen Arbeitskollegen zum Abschied für Notfälle erhalten hatten (noch einmal herzlichen Dank dafür!). Auch die Duschtür wurde zusätzlich fixiert und einige „Stauoptimierungen“ in den Schränken vorgenommen. Um 11 Uhr ging es dann los in Richtung Punta Delgada. Wir fuhren über die RP 3 und dann über die RP 2, die auf diesem Stück nicht mehr asphaltiert ist. Es ging vorbei an der Salina Grande und der Salina Chica durch eine vergleichsweise eintönige Landschaft. Außer Schafen waren keine anderen Tiere zu sehen. Wir hatten gelesen, dass es auf dieser Strecke einen Abzweig zur Playa Pardelas gibt, einem schönen Strand, vor dem sich um diese Jahreszeit auch Wale aufhalten. Leider fanden wir ihn nicht. Als wir nach knapp zwei Stunden Fahrzeit und 67 km Schotterpiste an der Punta Delgada ankamen, standen wir vor verschlossenem Tor. Das gesamte Gelände ist Privatbesitz und derzeit geschlossen, auch die Beobachtungspunkte. Das hatten wir an der Park-Information irgendwie anders verstanden.

Also fuhren wir wieder über denselben Weg zurück, denn die Strecke über die RP 47, RP 52 und RP 3 ist es erheblich weiter (127 km). Auf dem Rückweg gab es dann doch noch einige Tiersichtung. 3 Nandus liefen relativ langsam neben der Schotterpiste her. Ein Lerchenstärling (Strunella) leuchte auf einem Zaunpfahl. Wahrscheinlich handelte es sich um einen Langschwanz-Soldatenstärling (Strunella loyca), aber ganz sicher sind wir uns da nicht. Die Vogelgattung der Stärlinge umfasst 7 Arten, und manche sehr ähnlich aus.

Und dann kam ein ganz besonderes Fotoerlebnis. Vor uns lief eine Nandu mit 10 Nachkömmlingen her. Bis wir anhalten konnten, waren die Kleinen schon im Gebüsch verschwunden. Wolfgang wollte schon weiterfahren, aber Dagmar begann zu fotografieren, da der Nandu durch das Gebüsch auf ein Guanako zu lief. Dann änderte er seine Laufrichtung und lief einen kleinen Abhang hinunter. Wolfgang fuhr langsam ein Stück rückwärts, und wir konnten die gesamte Nandu-Familie wieder sehen. Das Guanako folgte ihnen, und Dagmar verfolgte sie mit ihrer Kamera. Plötzlich hatte sie zusätzlich einige Maras im Bild, die dann auch das Guanako interessiert beäugte.   

Maras (Dolichotis patagonum), die auch Pampahasen genannt werden, gehören nicht zu den Hasen, sondern zur Familie der Meerschweinchen. Auffällige Körpermerkmale sind die dicke Schnauze, der sehr kurze Schwanz und die schwarzweiße Zeichnung der Steißregion sowie die sehr langen und kräftigen Gliedmaßen. Mit ihnen können sie bis zu 80 km/h laufen und bis zu 2 m weit springen.

Durch dieses Fotoerlebnis hat sich auch diese Fahrt für uns gelohnt. Auf der Rückfahrt fanden wir dann auch den Abzweig zur Playa Pardelas, allerdings war die „Straße“ gesperrt, das Tor geschlossen und mit einer Kette gesichert. Dem Bewuchs nach zu urteilen, war diese Weg seit mehreren Monaten nicht mit einem Fahrzeug befahren worden. Schade, wir hätten uns dem Platz gerne angesehen. Wieder an der asphaltierten RP 2 angekommen, beschlossen wir, nicht mehr zum Campingplatz zurückzufahren, sondern uns einen freien Platz am Strand zu suchen.

Laut iOverlander sollte es an der Playa Villarino sehr schön sein. Wir folgten der RP 2 knapp 10 km und bogen dann nach rechts in einen Feldweg ein. Unser Garmin-Campernavi kannte den Weg und führte uns mit Hilfe der Koordinaten ans Ziel. Der Weg war recht anspruchsvoll, und Wolfgang schaltete vorsorglich den 4×4 zu. Nach 8 km erreichten wir den Strand einer langgezogenen Bucht. Am anderen Ende standen zwei Fahrzeuge, ansonsten war weit und breit keiner zu sehen. Wir suchten uns einen Platz in der Mitte mit Blick durch das Heckfenster aufs Meer.

Als Abendessen kochte Wolfgang einen Hackfleisch-Gemüse-Eintopf, den wir uns mit Reis und Rotwein schmecken ließen. Wir warten noch bis es dunkel war und bewunderten den tollen Sternenhimmel, der sich uns hier in der Einsamkeit bot. 

Am nächsten Morgen ließen wir uns etwas früher wecken, denn wir wollten den Sonnenaufgang bewundern. Als der Wecker klingelte, war der Horizont mit einem Wolkenband bedeckt. Es war also nichts mit dem tollen Sonnenaufgang.

Beim Frühstück beschlossen wir hier einen Bürotag einzulegen und an unserem Reisebericht weiterzuarbeiten. Die Solarpanels lieferten ausreichend Strom, zeitweise waren die Batterien zu 100 % aufgeladen, obwohl zwei Laptops und der Kühlschrank angeschlossen waren. Mit abnehmender Sonneneinstrahlung ging der Ladezustand natürlich wieder zurück.

Die beiden Fahrzeuge am östlichen Ende des Strandes gehörten zu einer Paddelboot-Tour. Gegen Mittag kamen 6 Kajaks (vier Zweier und zwei Einer) in die Bucht und gingen ans Ufer. Die Kajaks wurden auf einen Anhänger geladen, gegen 15 Uhr zog die Truppe dann ab.

Wir arbeiteten noch bis ca. 17 Uhr an unserem Reisebericht und machten dann einen Strandspaziergang. Dort lagen zwei tote Pinguine, ansonsten gab es sehr viele Muscheln, erheblich mehr als an den bisherigen Stränden. In etwas größerer Entfernung in den Dünen hielten sich Guanakos auf. Wolfgang zählte 37 Tiere. Beim Abendessen genossen wir den Abendhimmel. Es war nicht so klar wie am Vortag, aber durch die Wolken sah der Himmel richtig gut aus. Als es dunkel war, waren wir nochmal draußen. Wegen der Wolken waren allerdings nur wenige Sterne zu erkennen.

Als der Wecker am nächsten Morgen klingelte, hatte der Himmel schon eine orange Farbe angenommen. Als die Sonne über den Horizont kam, wurde sie leider wieder von einer Wolkenschicht verdeckt.

Einige Guanakos waren relativ nah an unser Fahrzeug herangekommen. Wir machten noch ein Erinnerungsfoto, dann ging die Fahrt weiter.

Nach ca. 25 km erreichten wir die Reserva Faunística Provincial „Isla de los Pájaros“. Dort gab es einen Aussichtspunkt mit fest installierten Ferngläsern. Auf der vorgelagerten Insel waren unzählige Möwen und auch einige Pinguine zu sehen.

Eine relativ zutrauliche Spottdrossel (Mimus saturnius) sang uns lange Zeit die unterschiedlichsten Liedchen vor. Spottdrosseln gehören zu den Singvögeln. Charakteristisch ist ihr lang anhaltender, komplexer Gesang, der auch Rufe und Laute anderer Tiere sowie Umweltgeräusche beinhalten kann. Das Gesangsrepertoire der Männchen soll aus 50 bis 200 Liedern bestehen.

Von dort fuhren wir weiter auf der Piste an der Küste entlang, an Punta Gales und Punta Juan de la Piedra vorbei zur RP 2. Nach einigen Kilometern bogen wir auf die RP 42 ab, eine Strecke, von der man häufig auch Wale beobachten kann.

Die Aussicht aufs Meer war sehr schön, aber Wale sahen wir selbst an den besonders gekennzeichneten Aussichtspunkten nicht. Für die 37 km bis zur RP 1 brauchten wir zwei Stunden. Dort hatten wir dann endlich wieder Asphalt unter den Rädern.

In Puerto Madryn steuerten wir zunächst den Carrefour an und fanden am Eingang die ersten Zeichen dafür, dass auch in Südamerika das Weihnachtsfest nahte.

Nach vielen Versuchen mit unterschiedlichen Kreditkarten, gelang es uns bei der Banelco-Bank endlich mal wieder, uns mit argentinischem Bargeld zu versorgen. Allerdings erhielten wir auch hier als Maximalbetrag nur 4500 Ar$ und das bei einer Bearbeitungsgebühr von 635 Ar$.

In Puerto Madryn gibt es 2 Campingplätze. Wir entschieden uns für den Camping A.C.A., einen großen, gut parzellierten Platz mit Strom am Stellplatz für 380 Ar$ pro Nacht. Auch hier war schon alles etwas in die Jahre gekommen.

Wir blieben 3 Nächte hier und beschäftigten uns tagsüber im Wesentlichen mit unserem Reisebericht und mit Wäschewaschen. Im patagonischen Wind trocknete die Wäsche gut.

Hier trafen wir auch Regina und Rolf wieder, mit denen wir uns schon in Monte Hermoso unterhalten hatten. Auch hier plauschten wir eine ganze Zeit, bevor die beiden ihre Reise fortsetzten.

Am 09. November fuhren wir weiter zur Área Natural Protegida „Punta Loma“. Darüber erfahrt ihr mehr im nächsten Teil unseres Reiseberichts.