VON USHUAIA GEN NORDEN

3. Etappe: Chiloé

Die Fahrt von Chaitén nach Castro war angenehm. Der Himmel war zwar häufig bedeckt und der Wind ziemlich stark, aber es regnete kaum. Wir blickten zurück auf die Stadt Chaitén, die durch den Ausbruch des Vulkan Chaitén im Mai 2008 komplett entvölkert und zu 40 % zerstört wurde. Heute hat die Stadt wieder ca. 2500 Einwohner, rund die Hälfte der ursprünglichen Bevölkerung. Wir konnten auch nochmal unseren letzten Stellplatz in Santa Barbara sehen. Irgendwann verabschiedete sich dann die Küste, wir sahen nochmal einige Magellan-Pinguine dann kamen die ersten Inseln vom Chiloé-Archipel in Sicht.

Der Chiloé-Archipel besteht aus der Hauptinsel Chiloé (ca. 180 km lang und 50 km breit) und einigen Dutzend kleinen Inseln. Als wir in den Fjord einfuhren, an dem Castro liegt, sahen wir endlose Zuchtanlagen für Lachs und Muscheln, die den Eindruck von der ansonsten schönen Landschaft trübten und die Buchten verschmutzen. Aber auch auf Chiloé selbst hat die Natur über die Jahre arg gelitten. Im Norden und Osten der Insel mussten große Teile der Wälder Weidenland und Feldern weichen. Die Bäume wurden hier, wie auch in vielen anderen Teilen Chiles, für Brennholz abgeschlagen.

Dann kam Castro, die Hauptstadt der Provinz Chiloé in Sicht. Sie ist die älteste Stadt und mit 49.000 Einwohnern die größte. Wahrzeichen und über lange Zeit auch höchstes Gebäude der Stadt ist die farbenfrohe, aus Alerceholz gebaute Kathedrale. Seit einigen Jahren bestimmt ein überdimensioniertes Einkaufzentrum das Bild, wahrlich kein schönerer Anblick. Nach dem Anlegen machten wir einen kleinen Rundgang durch die Stadt, an der Hafenpromenade entlang zum Kunstmarkt, den Stadthügel hinauf zur Kathedrale am Zentralplatz, weiter die Einkaufsstraße entlang bis zu dem Einkaufszentrum. Wir warfen einen kurzen Blick hinein, aber das war so gar nicht nach unserem Geschmack, dann ging es den Hügel hinunter zurück zum Parkplatz.

Für die Nacht suchten wir uns einen Stellplatz außerhalb der Stadt. Wir verließen Castro auf der Ruta 5 Richtung Süden und fuhren bis zum Abzweig der W 591 und darauf zum Aussichtspunkt Fortin Tauco. Dieser Platz gehörte zum Fort Tauco und diente ausgerüstet mit 3 Kanonen und Blick auf den Fjord dem Schutz der Inselhauptstadt. Die Anfahrt auf guter, aber teilweise extrem steiler Piste, war schon eine Herausforderung und so der Preis für die ruhige Nacht.

Am Morgen ging es weiter auf der Ruta 5 Richtung Süden Richtung Quellón. Die Fahrt auf der Panamericana, die in Quellón bei km 0 beginnt, war sehr schön,  hügelige Landschaft mit vielen Fuchsienbüschen und immer wieder Nalca-Pflanzen und viele bunte Blumen am Straßenrand. Die Straße wurde gerade grundlegend renoviert und befand sich deshalb zum Teil in bereits sehr gutem, zum Teil noch in schlechtem Zustand, jedoch erfreulicherweise überall ohne nennenswerte Schlaglöcher.

Wir legten in Quellón einen Zwischenstopp ein. Unsere Handys funktionierten zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht. Wolfgang wollte seine Entel SIM-Karte hier aufladen, um sie in seinem alten Handy, das er bis dahin noch nicht in Chile verwendet hatte, zu benutzen. Das klappte dann auch. Quellón selbst beeindruckte uns nicht besonders, daher fuhren weiter zum „Hito Cero“, dem Beginn der Panamericana. Dort war es ziemlich touristisch. In einem kleinen Museum, im dem auch Kunsthandwerk angeboten wurde, erhielten wir ein Zertifikat mit Bestätigung, dass wir den „Hito Cero“ erreicht hatten. Hoffentlich hilft es uns dabei, auch bis zum anderen Ende dieser Traumstraße zu kommen.

Unser nächstes Ziel war der Parque Tantauco, ein privater Park am südlichen Ende von Chiloé. Ex-Staatspräsident Sebastián, einer der reichsten Männer Chiles, hat dort 2006 ein riesiges Stück Land gekauft und seinen eigenen Park geschaffen. Die Zufahrt zum Park liegt beim Lago Yaldad. Man erreicht sie von der Ruta 5 aus über ein 18 km lange Piste (Cruce Longitudinal Colonia Yungay). Wir konnten zunächst nicht verstehen, warum diese Piste als sehr schlecht beschrieben war, die Carretera Austral war teilweise erheblich schlechter.

An einer Straßenbiegung sah Wolfgang erstmals einen Pudú (Zwerghirsch) über die Straße huschen. Er hielt noch an und sah noch das Hinterteil, aber dann war das Tier auch schon im Wald verschwunden.

Die Straße wurde zusehends schlechter. Dagmar sah zweimal unser Ende voraus, aber alles ist nochmal gut gegangen. Leider war klar, dass dies auch unser Rückweg sein würde.

Am Parkeingang wies uns der Parkwächter für die Nacht einen Platz kurz hinter der Schranke innerhalb des Parks zu. Dort standen wir gut, allerdings meinten gefühlt Hunderte von Fröschen, uns bis tief in die Nacht lautstark in den Schlaf singen zu müssen.

Weiter in den Park hineinfahren wollten wir nicht mehr, da uns die Ranger informiert hatten, dass die Piste dort auch nicht besser sein würde als kurz vor dem Park. Wir beschlossen daher, zumindest den 5 km langen Trail vom Parkeingang aus bis zum Besucherzentrum zu Fuß zu erkunden. Der recht nett gemachte Trail war zu Beginn ein Lehrpfad. Danach ging es über Stock und Stein, über Wurzeln, Stege und gelegentlich auch über Treppen durch den Kaltregenwald, der dann seinem Namen auch alle Ehre machte. Eigentlich war es eine interessante Wanderung und Kletterei, wenn nur der Regen nicht gewesen wäre. Deshalb gingen wir auch nicht, wie ursprünglich geplant, über den Trail zurück zum Wohnmobil, sondern über die „Straße“. Dabei wurden wir dann so richtig nass, bis auf die Unterwäsche. Auf der Piste ließ es sich auf jeden Fall einfacher und schneller gehen als auf dem Trail, und schön war es dort auch, zumal uns der Chor der Frösche auf dem Weg musikalisch begleitete. Das hört sich am Tag deutlich besser an, als mitten in der Nacht. Nur gesehen haben wir keinen dieser Kameraden.

Als wir schon eine ganze Weile unterwegs waren, las Dagmar im Vorbeifahren auf einem Hinweisschild am Straßenrand „Quilén 13 km“. Das musste eine Abkürzung sein. Wolfgang drehte, wir sahen uns das Schild nochmal an und beschlossen die Abkürzung zu nehmen. Die Fahrt auf der sehr guten Piste war sehr schön, wie eine Fahrt durch den Urwald mit riesigen Nalca-Pflanzen, Farn und den allgegenwärtigen Fuchsienbüschen und dazwischen immer wieder Bambus. Nach 5 km erreichten wir wie angekündigt San Jorge. Hier kreuzten Schweine und Ibisse unseren Weg. Nach 13 km waren wir dann dem Hinweisschild entsprechend in Quilén, allerdings nicht Queilén, wo wir ja ursprünglich hinwollten – auch egal, hier war es auch schön. Wir fanden einen Standplatz am Strand. Am späten Abend gesellte sich noch ein Leihmobil von Andean Campers dazu.

Am nächsten Morgen schien die Sonne. Vom Wohnmobil aus konnten wir in einem nahen Fuchsienstrauch zwei Kolibris beobachten. Sie zu fotografieren, klappte allerdings nicht.

Wir beschlossen, vor der Abfahrt noch einen Strandspaziergang zu machen. Dagmar machte sich zuerst auf den Weg. Nach einer Weile wunderte sie sich, dass Wolfgang nicht hinterherkam. Als sie sich umdrehte, sah sie noch einen Pudú am Fahrzeug vorbeihuschen und konnte ihn gerade noch von hinten fotografieren. Sie dachte, der Pudú wäre Grund für Wolfgangs Zurückbleiben und ging zum Wohnmobil zurück, um ihn zu fragen, ob er gute Fotos vom Pudú machen konnte. Seine Antwort: „Hier war kein Pudú. Du hast sicher ein Schwein gesehen. Ich habe die Vögel auf dem Kirchturm beobachtet.“ – Na toll. Dagmar war etwas verunsichert, ob sie wirklich einen Pudú gesehen hatte, aber jetzt war erstmal der Strandspaziergang dran.

Der Strand war recht nett, leider lag auch hier viel Müll herum. Über uns kreisten einige Truthahngeier. Wir konnten einen Regenbrachvogel (Numenius phaeopus) fotografieren. Die halten sich im Frühling und Sommer der Südhalbkugel an der chilenischen Küste auf, wenn es in Alaska und Kanada zu kalt ist.

Dann fuhren wir zurück nach San Jorge und fotografierten die Holzkirche, dann ging es weiter zur Ruta 5 in Richtung Conchi. Dagmar lies der Gedanke, dass sie ein Schwein mit einem Pudú verwechselt haben könnte, nicht los. Sie schaute die Fotos vom Morgen auf dem Monitor der Kamera durch, fand das Beweisfoto und sagte zu Wolfgang: „Es war doch ein Pudú …“, und als sie hochschaute: „…und da ist noch einer. Halt an!!!“ Da sah Wolfgang den Zwerghirsch, auch am Straßenrand auf uns zukommen. Als dieser merkte, dass wir bremsten, versteckte er sich hinter der Leitplanke im Gebüsch, aber verschwand zum Glück nicht ganz.

In Conchi füllten wir Diesel und Wasser nach und kauften noch einige Lebensmittel. Dann machten wir einen Spaziergang durch den Ort. Die kleine Stadt mit circa 4500 Einwohnern liegt an einem steilen Hang direkt am Meer und wird deshalb auch „ciudad des tres pisos“ (Stadt auf drei Etagen) genannt. Größte Sehenswürdigkeit ist die gelb-blaue Holzkirche, die zu den von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärten Kirchen Chiloés gehört. Leider fanden wir keine Position, von der wir die Kirche hätten ohne störende Kabel fotografieren können.

Auch die Calle Centenario, die den steilen Hang hinunter zur Hafenpromenade verläuft, ist mit ihren alten, allerdings schon ziemlich heruntergekommenen Häusern, denkmalgeschützt.

Von Conchi aus fuhren wir quer über die Insel auf der W 80 und später auf der W 850 in Richtung Cucao am Pazifik, denn dort sollte man laut iOverlander frei stehen können. Bis Huillinco am gleichnamigen See ging es durch eine abwechslungsreiche Weidelandschaft. Huillenco selbst war sehr touristisch, mit mehreren Surfbrett- und Kajakverleihen und vielen Menschen. Wir hielten nicht an, sondern fuhren weiter am Ufer des Lago Huillinco und des durch einen Kanal verbundenen Lago Cucao entlang. Die Stellplätze etwas abseits der Straße am Seeufer hatten alle steile und enge Zufahrten und waren daher für uns nicht erreichbar. Auch in Cucao war es uns zu rummelig. Deshalb fuhren wir weiter auf der Piste nach Norden bis zum Mirador de las Dunas direkt am Pazifik. Dort war es wirklich sehr schön. Wir wären gerne dort stehengeblieben, aber campieren in den Dünen war nicht erlaubt, und neben der Straße war es uns zu windig, mit Wind genau von der Seite.

Wir machten noch einen kleinen Spaziergang an dem herrlichen Strand und waren begeistert von der tosenden Brandung, aber lange hielten wir es dort nicht aus. Wir fühlten uns wie in einem Sandstrahlgebläse.

Wir fuhren zurück bis zur Brücke über den Río Cipresal, an dessen Ufer wir auf dem Hinweg einige Camper gesehen hatten. Um diesen Stellplatz zu erreichen, hätten wir allerdings durchs Wasser fahren müssen, das war uns zu riskant. Deshalb entschieden wir, nun tatsächlich nach Queilén zu fahren. In Cucao machten wir noch ein Foto von der farbenfrohen Holzkirche und genossen dann noch einmal die Fahrt auf der asphaltierten Straße mit tollem Ausblick auf die Seen zurück nach Conchi.

Am Strand waren viele Menschen damit beschäftigt, zum Trocknen ausgelegten Seetang in Säcke zu füllen. Was damit passiert, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Wir richteten das Wohnmobil der Windrichtung entsprechend aus und genossen den Ausblick. Seit dem Mittag schien die Sonne, und wir hatten einen herrlichen Blick auf die schneebedeckten Berge der Andenkordillere (Cordillera de la Costa) die in kürzester Distanz 80 km entfernt verläuft. Wir konnten von der Kordillere einen Abschnitt von ca. 200 km sehen, mit all den schneebedeckten Bergen und Vulkanen. Am Abend wurden wir dann noch mit einem schönen Sonnenuntergang belohnt.

Da das Wetter am nächsten Morgen auch wieder sehr gut war, beschlossen wir, einen weiteren Tag dort zu bleiben. Nach dem Frühstück brachen wir zu einem Strandspaziergang auf. Zunächst gingen wir am schiefen Leuchtturm vorbei bis zur Spitze der Landzunge, wo wir in der Ferne zwei Pelikane beobachten konnten. Dann ging es am Strand entlang in Richtung Queilén. Wir sahen Austernfischer, Möwen und einen Greifvogel, der mit Hingabe gegen eine PET-Flasche trat, die noch teilweise mit Orangenlimonade gefüllt war. Das wäre ein Video wert gewesen. Wir konnten den Vogel noch nicht eindeutig bestimmen, aber bei uns heißt diese Art jetzt „Flaschentreter“.

Von dem am Vortag ausgelegten Seetang war nur noch ein Teil übrig, alles andere war schon eingesammelt und abgefahren. Wir beobachteten zwei Einheimische bei ihrer Arbeit damit, ein mühsames Geschäft.

Wir liefen noch bis zum Ortseingang und dann über die Straße zurück zum MEXI. Auf dem Weg dorthin sprach uns ein älterer Mann a. Wir sollen mitkommen, um die Ecke gäbe es etwas Interessantes zu sehen. Es war der Vulkan, den wir am Vorabend und am Morgen gesehen hatten. Es ist hier wohl nicht alltäglich, so eine gute Fernsicht zu haben. Obwohl es mitten in der Woche war, kamen am Abend dann auch noch recht viele Leute auf die Landzunge und erfreuten sich an der schönen Aussicht.

Am nächsten Tag war das Wetter morgens nicht mehr ganz so schön. Wir fuhren zurück nach Conchi, um das gute WiFi an der Hafenpromenade zu nutzen, einen weiteren Versuch zu starten, unsere gesperrten Handys wieder frei zu bekommen. Der erste Versuch ging wieder schief. Wolfgang rief daraufhin mit seinem alten Handy und der entel SIM-Karte bei der Hotline von multibanda.cl an fragte nach einem Englisch sprechenden Mitarbeiter und hatte damit Erfolg. Beim Einscannen der EMEI-Nummer war uns unbemerkt ein Fehler unterlaufen: Wir hatten die Nummern von unseren Handys vertauscht. Der dritte Versuch lief dann für beide Handys erfolgreich. Wir belohnten uns mit zwei Bechern Eis aus dem Café „Ventana de Elisa“ an der Uferpromenade, die „etwas“ größer ausfielen als wir erwartet hatten.

Als wir weiterfuhren, kam uns auf der Straße eine Gruppe von Gauchos auf ihren Pferden entgegen. Wir dachten zunächst, dass es sich um eine folkloristische Veranstaltung handelte, merkten dann aber, dass es ein Trauerzug war.

Dann fuhren wir nochmal nach Castro, um bei Petrobras Gas nachzutanken, Dagmars entel SIM-Karte aufzuladen und die für Castro typischen Palafitos (Stelzenhäuser) bei blauem Himmel zu fotografieren. Sie sehen zur Straße hin wie normale Häuser aus, wurden aber zum Wasser auf Stelzen gebaut, damit die Fischer bei Flut mit ihren Booten direkt unter die Häuser fahren konnten. Ursprünglich waren es die Häuser armer Leute, aber mittlerweile werden sie zu Boutique-Hotels und Ferienhäusern (Cabañas) umgebaut.

Übernachten wollten wir Dalcahue, das 23 km nordöstlich an einem Meeresarm zwischen der Hauptinsel und Isla Quinchao liegt. Dort sollte es gemäß iOverlander sowohl einen freien Stellplatz als auch einen Campingplatz mit Trinkwasser und eine Wäscherei geben. Wir fuhren zunächst zur Wäscherei und gaben unsere Wäsche dort ab, dann schauten wir uns den freien Stellplatz, einen Parkplatz am Wasser in unmittelbarer Nähe zum Ortszentrum an. Der Platz war zwar brauchbar, aber wegen des nahenden Wochenendes war bis spät in die Nacht mit starkem Kommen und Gehen Einheimischer zu rechnen. Daher zogen wir den Campingplatz vor. Wir fuhren weiter auf der W 55, die erst noch betoniert, danach unbefestigt, aber größtenteils problemlos befahrbar war. Die Abfahrt zum Campingplatz war aber so schlecht, dass Wolfgang den Allradantrieb und die Getriebeuntersetzung schalten musste und Dagmar mehrfach meinte, wir würden umkippen. Aber wie schon so oft, meisterte Wolfgang auch diese Strecke. Es dauerte eine Weile bis wir einen relativ ebenen Standplatz gefunden hatten, denn der Campingplatz hatte eine recht starke Neigung in zwei Ebenen und eine tiefhängende Stromleitung machte einen Teil des Platzes für uns unzugänglich. Die Aussicht auf die Andenkordillere war hier wieder fantastisch. das entschädigte uns für alles.

Beim Vorbereiten des Abendessens kam ein Pärchen mit einem Pickup-Van an. Sie begrüßten uns mit: Da reist man um die halbe Welt und trifft „Nachbarn“. Vanessa stammte aus Bottrop und Swen aus Essen. Die beiden waren seit 15 Monaten mit dem Fahrrad in Südamerika unterwegs. Wir unterhielten uns noch eine Zeit nett mit ihnen und machten dann mit den Vorbereitungen weiter.

Beim Abendessen zeigte sich die Andenkordillere auch hier durch die untergehende Sonne in tollen Farben.

In der Nacht schliefen wir gut und die Hunde, die am Abend noch um Wette gekläfft hatten, glücklicherweise auch. Auch bei Sonnenaufgang sah die Andenkordillere hier wieder toll aus. Da wir unsere Wäsche erst nach 12 Uhr abholen konnten, nutzten wir nach dem Frühstück die Zeit, um noch einige Reinigungs- und Aufräumarbeiten am Wohnmobil durchzuführen. Am späten Vormittag verabschiedeten sich Vanessa und Sven, und auch wir machten uns kurze Zeit später auf den Weg zur Wäscherei. Für 10,5 kg Wäsche bezahlten wir 15750 CLP (17,01 €). Alles war sauber und trocken, die Hemden und Hosen waren zwar etwas verknubbelt, aber alles selbst von Hand zu waschen, war für uns keine Alternative.

Wir fuhren dann nochmal zum Zentrum von Dalcahue, um uns dort etwas umzusehen. Die Iglesia Parroquial Dalcahue am Zentralplatz ist eine der größten Holzkirchen der Insel. Berühmt ist Dalcahue für seine Feria Artesanal, den überdachten Kunsthandwerkermarkt direkt am Hafen. Dort gab es neben Strickwaren, Körben und Schnitzarbeiten, auch Obst, Gemüse, Fisch und Muscheln.

Ursprünglich wollten wir in einer der Garküchen am Hafen den für Chiloé typischen Eintopf „Cuaranto“ aus Meeresfrüchten, Schweine-, Rind- und Geflügelfleisch sowie Kartoffeln und Würsten probieren, doch als wir das Gedränge und die riesigen Portionen dort sahen, entschieden wir uns für ein Lokal, das wir am Anfang unseres Spaziergangs gesehen hatten. Dort waren die Tische im ersten Gastraum mittlerweile auch schon alle besetzt, doch wir wurden zu einem zweiten Raum auf der anderen Seite des Hauses gebracht, in dem wir zunächst die einzigen Gäste waren, der sich dann aber auch bald füllte. Auf der Theke in einer Ecke des Raums stand ein Schwarzweißfernseher, auf dem Fußballspiele und Nachrichten aus den siebziger Jahren liefen. Hier schien die Zeit stehengeblieben zu sein. Wolfgang bestellte gebratenen Lachs mit Salat und Dagmar eine Suppe mit Meeresfrüchten. Sie ahnte dabei noch nicht, dass sie die roten Gebilde (Piúres), die wir vorher auf dem Markt bei einem Fischhändler gesehen hatten, kurze Zeit später in ihrer Suppe finden würde. Beide Gerichte schmeckten sehr gut, wenn auch die Piúres ziemlich zäh waren.

Von Dalcahue fuhren wir ostwärts weiter auf der W 55 nach Tencaún, einem hübschen Ort, den auch Reisebusse anfahren. Entsprechend voll war es dort. Die blauweiße Holzkirche von Tencaún wurde ebenfalls von der UNESCO zum Weltkulturerbe deklariert. Die Besonderheit dieser Kirche sind ihre drei Türme.

Da wir in Tencaún keinen Stellplatz für die Nacht fanden, fuhren wir weiter der Küste folgend nach Aucar. Hier führt eine 560 Meter lange hölzerne Fußgängerbrücke zur Isla Aucar, auf der es eine hübsche hölzerne Kapelle mitten im Naturwald geben soll. Wir fuhren durch eine enge Einfahrt bis zum Parkplatz, aber auch dieser Ort entpuppte sich Touristenmagnet. Der Parkplatz war bis auf eine schlammige Ecke gerammelt voll. Der Parkwächter bot uns diesen Platz freundlich an, aber wir verzichteten lieber auf den Spaziergang, andernfalls hätten wir beim Aussteigen bis zu den Knöcheln im Matsch gestanden.

Wir fuhren weiter zum 6 km entfernten Fischerdorf Quemchi, einem netten Ort, aber auch ohne Stellmöglichkeit für uns. 

Von Regina und Rolf wussten wir, dass man auf der Península Guaplimao bei Linao, gut übernachten kann. Kurz hinter Quemchi wurde die schlechte Piste erneuert. Die Fahrt auf der Ausweichstrecke war ziemlich anstrengend. Nur dort, wo die Vorarbeiten für die neue Straße bereits erledigt waren, ließ es sich im Einbahnverkehr recht gut fahren. Wir fanden einen schönen Stellplatz mit Blick auf eine Lagune und das Meer.

Beim Abendessen beobachteten wir wie eine Familie zuvor zum Trocknen ausgelegten Seetang in Säcke packte und mit einem Ochsenkarren abtransportierte.

Auch am nächsten Morgen als wir nach dem Frühstück zu einem Strandspaziergang aufbrachen, waren diese Leute schon wieder aktiv. Dagmar fragte eine Frau, wofür der Seetang verwendet wird. Sie erfuhr, dass er verkauft und dann für Kleidung („por ropa“) verwendet wird. Wir gehen davon aus, dass der Seetang zur Herstellung von Cellulosefasern genutzt wird.

Wir liefen eine ganze Zeit an dem trockengefallenen Strand entlang, aber das Wasser stieg unaufhaltsam, es war Flut. In der Ferne sahen wir zwei Delfine im Meer herumtollen. Wir liefen auch noch ein Stück an der Lagune, dann setzten wir unsere Fahrt fort in Richtung Chaco.

Nach kurzer Fahrt auf der Baustellenpiste war die Straße fertig und als W 125 herrlich asphaltiert. Wir nahmen den Abzweig zur Panamericana, weil wir eigentlich nicht nach Chaco, sondern nach Ancud wollten, aber das war leider auch schon wieder eine sehr schlechte Schotterpiste. Der Umweg über Chaco wäre vermutlich besser gewesen.

In Ancud kauften wir ein, tankten nochmal und versuchten unseren Wassertank aufzufüllen, aber Trinkwasser fanden wir nicht. Dagmar nutzte das 4 G-Netz um sich mal wieder zuhause zu melden.

Danach wollten wir noch zum Leuchturm an der Punta Cororan auf der Península der Lacuy, aber diese Fahrt hätten wir uns besser sparen sollen.

Wir übernachteten in Lechagua auf einem Parkplatz am Meer mit Blick auf Ancud. Als Wolfgang ein Foto vom Stellplatz machte, wurde er vom Bademeister gefragt, ob wir über Nacht bleiben wollten. Er bejahte und erfuhr, dass dieser Platz normalerweise um 21 Uhr geschlossen wird, an diesem Abend jedoch nicht. Glück gehabt.

Am nächsten Morgen fuhren wir über die W 20 und RN 5 nach Chaco zum Fährterminal und waren dort dann ziemlich schnell auf der Fähre nach Pargua auf dem chilenischen Festland. Die Überfahrt dauerte keine halbe Stunde, dann ging es weiter auf der RN 5 in Richtung Puerto Montt.